10. Oktober 2022

Acht Milliarden in sechs Monaten

Deckungsvolumen im 1. Halbjahr gestiegen – Positives Ergebnis für den Bund steigt auf 260 Mio. Euro

Die Bundesregierung hat im ersten Halbjahr 2022 Exportkreditgarantien in Höhe von 8,0 Mrd. Euro übernommen (1. Halbjahr 2021: 7,3 Mrd. Euro). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dies ein Anstieg um 10,5 %.

Der Anstieg ist umso bemerkenswerter, da der Bund seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine für Lieferungen und Leistungen nach Belarus und Russland – zwei traditionell starke EKG-Märkte – keine Exportkreditgarantien mehr übernimmt.

Der überwiegende Teil der gedeckten Lieferungen und Leistungen ging in Schwellen- und Entwicklungsländer. Deren Anteil am neu übernommenen Deckungsvolumen lag bei 80,9 % (1. Halbjahr 2021: 81,4 %).

Neben zahlreichen kleineren Geschäften hat der Bund im ersten Halbjahr 2022 auch einige großvolumige Transaktionen im dreistelligen Millionenbereich in Deckung genommen, unter anderem Windturbinen für die Türkei, ein Straßenbauprojekt in Ghana, eine Fabrik für Tierimpfstoffe in Angola und Anlagen für eine Zuckerraffinerie in Ägypten.

Das Entschädigungsrisiko aus laufenden Deckungen des Bundes lag zum 30. Juni 2022 mit 86,6 Mrd. Euro auf dem Vorjahresniveau (1. Halbjahr 2021: 85,5 Mrd. Euro). Das Ergebnis für den Bund fällt mit 257,9 Mio. Euro erneut positiv aus und liegt 49 % über dem des vergleichbaren Vorjahreszeitraums (1. Halbjahr 2021: 173 Mio. Euro).

Weitere Zahlen, Daten und Fakten enthält der jüngst erschienene Halbjahresbericht, der auch als englische Version verfügbar ist.

Finanzierungsexpert:innen in Dubai und Singapur zu Gast beim Interministeriellen Ausschuss für Exportkreditgarantien in Berlin

Seit nunmehr drei Jahren arbeiten die Finanzierungsexpert:innen der Bundesregierung vor Ort und beraten die deutschen Exporteure und deren ausländische Tochterunternehmen sowie finanzierende Banken in allen Fragen rund um die Themen Exportfinanzierung und –absicherung. Von Dubai aus betreut Finanzierungsexpertin Eva Steinhaus Kunden und Banken in der MENA-Region. Von Singapur aus ist Finanzierungsexperte Markus Leichum für Südostasien tätig. In der September-Sitzung des Interministeriellen Ausschusses berichteten die Finanzierungsexpert:innen von ihren Erfahrungen vor Ort und beantworteten im Anschluss drei Fragen für den AGA Report:

1. Wie entwickeln sich die MENA- und ASEAN-Märkte in der Post-Covid-Zeit – gerade in Hinblick auf die geopolitischen Krisen und Debatten rund um Decoupling und Diversifizierung, gestörte Lieferketten und steigende Transportkosten?

Leichum: Wir spüren eine grundsätzlich positive Marktstimmung in den ASEAN-Märkten. Investitionsvorhaben werden geplant und die Nachfrage nach deutschen Produkten ist nach wie vor hoch, besonders in den Sektoren Infrastruktur, Energie und Transport. Allerdings ist im sogenannten Hinterhof Asiens auch der Wettbewerb zu spüren. Steigende Transportkosten und gestörte Lieferketten sind weiterhin ein großes Problem: Bei komplexen Geschäften mit vielen Sublieferanten, wie z.B. bei Textilmaschinen, wird es deutlich schwieriger, den erforderlichen Anteil an deutschen Zulieferungen zu erfüllen. Dennoch bietet ASEAN vielfältige Chancen für deutsche Unternehmen – als Investitionsstandort und als Exportmarkt. Es zeigt sich gerade, dass die Nachfrage nach Investitionen in der Post-Covid-Zeit und somit auch nach deutschen Exportprodukten zugenommen hat.

 

Steinhaus: Erhöhte globale Transportkosten und starker internationaler Wettbewerb sind auch in der MENA-Region Themen, die problembehaftet sind und die Exporteure wie Importeure sehr beschäftigen. Je nach Industrie und Flexibilität der Importeure kann das aber auch dank geographischer Nähe zu Europa und verbunden mit einem relativ günstigen Wechselkurs kompensiert werden. In den Golfstaaten wirken sich die erhöhten Öl- und Gaspreise günstig auf die Staatskasse und damit auf die Durchführung geplanter Großprojekte aus. Hier hat dann deutsche Technologie sicher ihren Platz und ihre Nachfrage.

2. Wie unterstützen Sie als Finanzierungsexpert:innen die kleinen mittelständischen Unternehmen (KMU’s) beim Markteintritt im arabischen bzw. südostasiatischen Raum?

Steinhaus: Für den Markteintritt deutscher KMU‘s können Exportkreditgarantien ein echter Gamechanger sein. Viele KMU’s denken bei den Exportkreditgarantien (sog. Hermesdeckungen), es handele sich um ein Instrument für Großprojekte und richte sich an große Unternehmen. Ihnen ist nicht bewusst, dass es auch für kleine Auftragsvolumina passende Absicherungsmöglichkeiten gibt. Daher ist es für uns in den Kompetenzzentren wie auch für den Euler Hermes-Außendienst in Deutschland eine wichtige Aufgabe, die verschiedenen Deckungsmöglichkeiten bei Exporteuren weiter bekannt zu machen, sei es durch die Teilnahme an Veranstaltungen, Begleitung von Markterschließungsprogrammen, Publikationen oder individuelle Beratungen. Sollte eine Finanzierung seitens des ausländischen Kunden gewünscht sein, unterstützen wir in den Märkten durch unsere Kontakte zu Banken.

 

Leichum: Unser Fokus liegt vermehrt auf dem Importeur und dem lokalen Investor, für die wir attraktive Finanzierungsmöglichkeiten entwickeln. Diese Finanzierungslösungen unterstützten auch den deutschen Exporteur, der neben deutschen Lieferungen und Leistungen eine passende Finanzierungslösung anbieten kann. Mit einem Netzwerk aus Banken, Investoren und Exporteuren vor Ort, aber auch mit deutschen und internationalen Institutionen entwickeln wir Geschäfte und Projekte. Singapur ist für Banken und Unternehmen aufgrund der Stabilität und Rechtssicherheit ein sehr guter Ausgangspunkt für die Markterschließung in Südostasien.

3. Sie decken mit der ASEAN-Region zehn und mit der MENA-Region rund 20 Staaten ab. Auf welchen Ländern liegen ihre Schwerpunkte?

Leichum: Bangladesch, Vietnam und Indonesien haben in meinen Augen das größte Potenzial für deutsche Exporteure. Bangladesch musste ich mir auf Grund der Corona-Pandemie mit Webinaren virtuell erschließen. Heute können wir im persönlichen Austausch mit den Banken erste Projekte realisieren. Vietnam ist jung, dynamisch, hat eine gute Anbindung und bietet insgesamt gute Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen. Vietnam entwickelt sich schon seit einigen Jahren zu einem wichtigen Markt für deutsche Exporteure, auch als alternativer Produktionsstandort in Südostasien. Das verstetigt sich jetzt mit dem Wegfall des russischen Markts. Der Fokus liegt auf Infrastrukturprojekten wie Energie oder Healthcare. Indonesien entwickelt sich zu einem Hauptmarkt – gerade Projekte wie das New Capital Projekt oder der Umzug der Hauptstadt, versprechen viele Chancen auch für deutsche Unternehmen. Generell gilt, dass in diesem Jahr die Intensität der Gespräche, die wir gemeinsam mit Exporteuren, Banken sowie Importeuren und Investoren führen, zugenommen hat. Neben den drei Kernmärkten werden aber auch in Malaysia, Nepal und den Philippinen Projekte diskutiert.

 

Steinhaus: In der MENA-Region sind es drei Märkte, die in den Deckungsstatistiken der letzten Jahre immer wieder ins Auge springen: Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie stehen auch in meinen Beratungsgesprächen im Vordergrund. Ägypten wird sich zu einem der wichtigsten Märkte für Infrastrukturprojekte, Nahrungsmittel- und Medizinwirtschaft entwickeln – die Möglichkeiten sind vielfältig. In Saudi-Arabien ziehen Großprojekte und Modernisierungsvorhaben besondere Aufmerksamkeit auf sich. In Gesprächen und Konferenzen ist die Aufbruchsstimmung vor allem bei der jüngeren Generation spürbar, der Wandel zeigt sich nicht nur in neuen Industriekapazitäten, sondern auch im täglichen Miteinander. Dieser Schwung kommt in der medialen Berichterstattung nicht immer zum Tragen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten findet gerade auch seit der Gründung der Emiratisch-Deutschen Taskforce für Wasserstoff ein reger Austausch zur Produktion nachhaltiger Energieträger statt. Insgesamt eine vielseitige und interessante Region!

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite: 

Finanzierungsexperten Leichum und Steinhaus im IMA

v.l.: Dr. Bastian Kern, Referatsleiter Exportfinanzierung, Exportkreditversicherung, IMA-Vorsitz Exportkreditgarantien im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Markus Leichum, Finanzierungsexperte, AHK Singapur, Eva-Christine Steinhaus, Finanzierungsexpertin, AHK VAE (Dubai) | Mittlerer Osten, Nordafrika, Eike Kreplin, Exportfinanzierung, Exportkreditversicherung, IMA-Co-Vorsitz Referent BMWK, Linda-Marie vom Hove, Division Head, Berlin Liasion Office, Euler Hermes Aktiengesellschaft


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