22. Juli 2022

Schnellere und einfachere Schadenabwicklung im Sammeldeckungsbereich – KMU profitieren

Keiner wünscht es und doch passiert es: Der Exporteur hat geliefert, doch der Besteller kann nicht zahlen. Es kommt zum Schadenfall. Das ist nicht nur ärgerlich. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) kann ein Forderungsausfall sehr schnell existenzbedrohend sein. Wohl dem, der dann eine Exportkreditgarantie des Bundes hat. Genauso wichtig wie der staatliche Versicherungsschutz ist jedoch die schnelle und unbürokratische Schadenregulierung. Und hier hat der Bund jüngst eine deutliche Verbesserung vorgenommen.

Um die Schadenregulierung zu vereinfachen und zu beschleunigen, werden bei Schadenfällen im Sammeldeckungsbereich ab sofort die Beleg- und Nachweisanforderungen reduziert. Der Sammeldeckungsbereich umfasst die Ausfuhrpauschalgewährleistung (APG), die Ausfuhrpauschalgewährleistung-light (APG-light) sowie revolvierende Einzeldeckungen. In allen drei Bereichen reicht es künftig grundsätzlich aus, dass der Exporteur bei Schadenfällen bis zu 100.000 Euro Rechnungen und Inkassounterlagen einreicht. Die 100.000 Euro bemessen sich an der zur Entschädigung beantragten Forderung.

In Ausnahmefällen werden auch weiterhin Vollprüfungen vorgenommen. Zum Beispiel dann, wenn die vom Exporteur eingereichten Unterlagen nicht plausibel erscheinen. Auch Exporteure, die erstmals einen Schadenantrag stellen bzw. deren letzter Schadenantrag mehr als fünf Jahre zurückliegt, werden einer Vollprüfung unterzogen.

Von der neuen Regelung profitieren vor allem KMU, die häufig kleinvolumigere Geschäfte gegen Forderungsausfälle mit Exportkreditgarantien des Bundes absichern. Das vereinfachte Entschädigungsverfahren ist für sie eine enorme Erleichterung.

Corona-Maßnahmenpaket der Bundesregierung ausgelaufen – große Nachfrage nach Erleichterungen bei Entgeltzahlungen

Zum 30.6.2022 ist das coronabedingte 5-Punkte Maßnahmenpaket der Bundesregierung planmäßig ausgelaufen. Das Unterstützungsprogramm zur Stärkung der deutschen Exportwirtschaft hat maßgeblich dazu beigetragen, während der Pandemie die Liquiditätssituation von Exporteuren und Importeuren zu verbessern, die Finanzierung von Geschäften zu erleichtern und die Refinanzierungsmöglichkeiten von Banken im Zusammenhang mit Exportgeschäften auszuweiten. Vor allem die Erleichterungen bei den Entgeltzahlungen wurden von den Exporteuren stark in Anspruch genommen.

 Neben den befristeten Maßnahmen enthielt das Unterstützungsprogramm von Beginn an auch eine Reihe unbefristeter Angebote. Diese bestehen nach Auslaufen des 5-Punkte Maßnahmenpakets unverändert fort. Dies betrifft z.B. die Shopping-Line-Deckung, die Verbriefungsgarantie für die Refinanzierung bei Pfandbriefbanken sowie das Wahlrecht auf Einmalentschädigung für Non-performing loans

OECD-Länderrisikoeinstufung: 
Kenia und Tunesien in Kategorie 7 herabgestuft

In ihrer Sitzung im Juni 2022 haben die Expertinnen und Experten der OECD die Länderrisiken von 48 Staaten aus den Regionen Asien sowie südliches und östliches Afrika neu bewertet. Darüber hinaus wurden außerplanmäßig Tunesien und die Türkei kategorisiert.

Die siebenstufige Länderklassifizierung (1 = beste Kategorie, 7 = schlechteste Kategorie) wurde 1999 auf OECD-Ebene eingeführt und ist ein Parameter bei der Berechnung des Entgelts. Im Vergleich zu den bisherigen Einstufungen haben sich untenstehende Veränderungen ergeben. Sie gelten seit dem 8. Juli 2022.

Land Kategorie bisher
Kenia 7 6
Tunesien 7 6

Die nächste OECD-Sitzung findet am 12. und 13. Oktober 2022 statt. Dann geht es um die Risikoeinstufung der Länder Lateinamerikas sowie West- und Zentralafrikas.

„Moving big things to Zero“: Einblicke in den Transformationsprozess des Traditionsunternehmens MAN

Auf der diesjährigen Auswärtssitzung des Interministeriellen Ausschusses (IMA) für Exportkreditgarantien in Augsburg gab Jürgen Klöpffer, CFO MAN Energy Solutions Einblicke in ein Unternehmen, das sich in einer Transformation befindet und Lösungen für Technologien entwickelt, die für eine weltweite Dekarbonisierung benötigt werden.

Als Maschinenbauunternehmen verfügt MAN über eine 250-jährige Ingenieurstradition: bereits 1924 präsentierte MAN auf dem Werksgelände in Augsburg den weltweit ersten Fahrzeug-Dieselmotor mit Direkteinspritzung. Heute treiben die für die Dekarbonisierung neu entwickelten Technologien das Wachstum an.

Dekarbonisierung ist der Treiber

Unter der Überschrift „Moving Big Things to Zero“ treibt MAN Energy Solutions Lösungen für die Dekarbonisierung voran. Wobei sich das Unternehmen auf die sogenannte „deep decarbonization“ konzentriert – also jene Industrien, für die eine direkte Elektrifizierung keinen Lösungsansatz bietet: z. B. die Emissionsreduzierung in der globalen Schifffahrt, die Bereitstellung von Prozess- und Fernwärme über Großwärmepumpen und Lösungen für technisch nicht zu vermeidende Emissionen der Industrie.

Ein geeignetes Verfahren zur Reduzierung von CO₂-Emissionen in die Atmosphäre könnte beispielsweise die Abscheidung von unvermeidbarem Kohlenstoffdioxyd aus industriellen Prozessen und deren dauerhafte Speicherung in z.B. unterirdische Lagerstätten – sogenannte CCS (Carbon Capture Storage) – sein.

Bild: Jürgen Klöpffer, CFO MAN Energy Solutions

„Dekarbonisierung als Innovationstreiber“: Jürgen Klöpffer, Finanzvorstand bei MAN Energy Solutions, auf der IMA-Auswärtssitzung in Augsburg.

Bereits im Jahr 2024 werde im norwegischen Zementwerk Brevik mit dem weltweit ersten CCS-Projekt im industriellen Maßstab jährlich 400.000 t CO₂ abgeschieden und zur dauerhaften Einlagerung transportiert. Mit dem Ziel die CO₂-Emissionen um 50 % zu verringern. 

In der dänischen Hafenstadt Esbjerg entsteht derzeit die erste MAN ETES Wärmepumpen-Anlage. Sie wird ein Kohlekraftwerk ersetzen und künftig 25.000 Haushalte emissionsfrei mit Fernwärme versorgen.

Alternative Kraftstoffe

Nach Aussagen von Klöpffer werden Verbrennungsmotoren weiterhin benötigt, u.a. für Hochseeschiffe – und daher bedarf es alternativer Kraftstoffe. Nach der Umstellung von Schweröl auf Flüssiggas (LNG) bei Verbrennungsmotoren würden derzeit Lösungen entwickelt, um Schiffe auf Basis von Methanol und ab 2024 auf Basis von Ammoniak betreiben zu können. Entscheidend dafür sei aber nicht nur die Motorentechnologie, sondern auch die Verfügbarkeit des grünen Kraftstoffs sowie die Infrastruktur in den Häfen. 

Zukunftsmusik: Globale Kreisläufe für grüne Kraftstoffe

Auf Wasserstoff basierte grüne synthetische Kraftstoffe könnten zu wettbewerbsfähigen Kosten insbesondere in wind- und sonnenreichen Regionen produziert werden. Daher müssten wir künftig, so Klöpffer, die Wertschöpfungskette für grüne Kraftstoffe in globalen Kreisläufen denken.

Theoretisch könne ein Kreislauf in Katar mit dem Elektrolyseverfahren beginnen, wo zum einen viel erneuerbare Energie durch Wind und Sonne zur Verfügung steht, die für die Gewinnung von Wasserstoff genutzt werden und zum anderen im Power-to-Gas-Verfahren synthetisches LNG hergestellt werden könne. Mit der entsprechenden Infrastruktur ließe sich das Produkt anschließend in die Abnahmeländer transportieren. Dort wiederum könnte CO2 in industriellen Prozessen abgeschieden und dann per Rücktransport dem Elektrolyseverfahren in Katar wieder zugeführt werden. Die CO₂ Abscheidung und Elektrolyse gingen somit global Hand in Hand.

Dreiklang der weltweiten Energieversorgung

Für den Bau von Kraftwerken in Amerika, Europa, Asien-Pazifik und Mittlerer Osten sind für Klöpffer drei Faktoren ausschlaggebend: Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Mit europäischer Brille stehe die Dekarbonisierung ganz klar im Fokus. In Regionen, in denen es primär um Versorgungssicherheit und den Aufbau von Elektrizität gehe könnte der Fokus aus den unterschiedlichsten Gründen auch künftig noch auf den konventionellen Verfahren liegen.  

Auch der Faktor Wirtschaftlichkeit sei entscheidend: das ökologisch beste Angebot helfe nicht, wenn sich kein Investor für die Herstellung von Wasserstoff finde. Es gelte in diesem „Dreiklang“ einen überzeugenden Business Case für die Kunden darzustellen, der auch im Sinne des Klimaschutzes nachhaltig sei.


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