24. Mai 2022

Jahresbericht Exportkreditgarantien 2021 veröffentlicht - Bund übernahm Exportkreditgarantien in Höhe von 20,2 Milliarden Euro

Der Jahresbericht der Exportkreditgarantien des Bundes 2021 steht ab sofort online auf unserer Website zur Verfügung.

2021 hat die Bundesregierung Geschäfte in Höhe von 20,2 Mrd. Euro mit Exportkreditgarantien abgesichert. Die Höhe des Deckungsvolumens zeigt das Interesse an diesem Förderinstrument und belegt die Bereitschaft der Bundesregierung, Exportunternehmen und Banken auch in schwierigen Zeiten bei ihren Auslandsaktivitäten zu unterstützen. Die Bundesregierung hatte das sogenannte 5-Punkte Maßnahmenpaket Themenschwerpunkt Coronavirus zur Stärkung der deutschen Exportwirtschaft in der COVID-19-Pandemie bis zum 30. Juni 2022 verlängert.

2021 normalisierte sich die Nachfrage nach Exportkreditgarantien des Bundes auf das Vorkrisenniveau: Nachdem das Deckungsvolumen 2020 infolge fehlender Großprojekte auf 16,7 Mrd. Euro zurückgegangen war, stieg es 2021 um 20,6 % wieder auf eine übliche Größenordnung an. Transaktionen, die in der Hochphase der Corona-Krise zurückgestellt worden waren, wurden nun zur Deckung beantragt. Ein Großteil der gedeckten Lieferungen und Leistungen ging in Schwellen- und Entwicklungsländer.

Neben grundlegenden Informationen zu den Exportkreditgarantien und interessanten Projektbeispielen enthält der Jahresbericht auch einen Exkurs zu den Investitionsgarantien des Bundes und ein Interview zu Dienstleistungsexporten mit einer Leistungsdeckung.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit von Exporteuren und Banken für Small Tickets

Impulsvortrag von Thilo Brodtmann: Partnerschaftliche Zusammenarbeit von Exporteuren und Banken für Small Tickets

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), skizzierte im Interministeriellen Ausschuss Exportkreditgarantien (IMA) die aktuellen Herausforderungen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Mit Blick auf die deutsche Ausfuhr von Maschinen, insbesondere Werkzeugmaschinen und landwirtschaftliche Maschinen, rückte er die Förderung von kleinvolumigen Geschäften mit Auftragswerten bis 5 Mio. Euro, den sog. Small Tickets, stärker in den Fokus.

Bild: Portrait Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Exportgeschäfte des deutschen Maschinenbaus seit dem Angriffskrieg

Im Jahr 2021 betrugen die Exporte von Maschinen nach Russland, Belarus und Ukraine zusammen rd.7 Milliarden Euro. Damit belief sich der Anteil an der gesamten deutschen Maschinenausfuhr auf 6 %. Die Maschinenbaubranche könne, so Brodtmann, den Wegfall dieser Exporte durchaus verkraften, aber das sei nur eine Durchschnittsbetrachtung. Einzelne Bereiche, insbesondere die Landtechnik und der Berg- und Hüttenbau sind durch den russischen Angriffskrieg stark betroffen. Daher wächst die Bedeutung von Small Tickets für die Erschließung neuer Märkte in Schwellenländern. „Es wird wichtiger auch hier die kleinen Steine umzudrehen und schwierigere Geschäfte anzunehmen“, sagte Brodtmann.

Große Bedeutung kleiner Exportgeschäfte

Viel Potenzial und Absatzmöglichkeiten für Maschinen sieht Brodtmann in Lateinamerika (2021: 3,6 %), Südostasien (2021: 2,5 %), Zentral- und Südasien (2021: 2,4 %), Naher und Mittlerer Osten (2021: 2,1 %) und Afrika - die Regionen hatten 2021 jeweils nicht mehr als 2,5 % Anteil an der gesamten deutschen Maschinenausfuhr. Dabei geht es z.B. um Exporte von Land-, Werkzeug- und Baumaschinen, Nahrungsmittel-, Verpackungs- und Spritzgussmaschinen in Schwellenländer. Der typische Mittelständler habe kein wiederkehrendes Geschäft, daher werde hier die Finanzierung für kleine Exportgeschäfte schwierig.

Strategische Bedeutung Afrikas – 3 Szenarien

Im Hinblick auf die Erschließung neuer Märkte warf Brodtmann ein Schlaglicht auf die Region Subsahara-Afrika, zu der 49 der 54 afrikanischen Staaten gehören. Insbesondere China konnte dort deutliches Wachstum erzielen, während Deutschland und Europa eher stagnierten. Europa müsse sich künftig in Subsahara-Afrika stärker engagieren und dabei spiele die Finanzierung eine wichtige Rolle.

Drei Szenarien seien denkbar, wobei sich im schlechtesten Szenario mit „business as usual“ der Anteil deutscher Exporte immer weiter verringern wird. Im zweiten Szenario kann Deutschland seinen Marktanteil von derzeit rd. 9 Milliarden Euro zwar verteidigen, aber nicht von den wachsenden Weltexporten in die Region profitieren. Im dritten Szenario - und das wäre aus Sicht Brodtmanns wünschenswert - kann der deutsche Exportanteil dem Wachstum der Exporte nach Subsahara-Afrika folgen. Dafür müsse man „alle Register ziehen“, auch im Bereich Small Tickets, um den Marktanteil auf 18 Milliarden Euro steigern zu können.

Unterstützung bei Liquiditätsproblemen

Die Schere zwischen Auftragseingang und Umsatz bleibt aufgrund der Lieferkettenprobleme bestehen. Auch stehen dem volatilen Geschäft gewaltige technologische Investitionen gegenüber. Umso wichtiger wird auch hier die Finanzierung für „kleine Exportaufträge“, da die Untergrenze für Small Ticket-Finanzierungen von Jahr zu Jahr steigt. Auch haben Exporteure hohe Einlagerungskosten wegen der Halbleiter-Knappheit, sodass sie vor vorrübergehenden Liquiditätsproblemen stehen. Dabei wäre eine verbesserte „Working Capital Finanzierung“ eine Unterstützung. Thilo Brodtmann schloss seine Ausführungen mit dem Wunsch nach einer Forfaitierungsgarantie, die das Forfaitierungsangebot der Banken erleichtern und den deutschen Mittelstand erheblich unterstützen könnte.

Start für „Hermes-Desk“ in Istanbul

Berkay Esinbay, Senior Underwriter bei der Euler Hermes AG, berät seit Mai 2022 als „Head of German ECA Desk in Turkey“ Exporteure, Banken und Importeure bei ihren Transaktionen rund um deutsche Exporte. Damit unterstreichen die Bundesregierung und Euler Hermes nach der Etablierung der AHK-Finanzierungsexperten in Dubai, Singapur und Nairobi ein weiteres Mal die Wichtigkeit der Präsenz der Hermesdeckungen vor Ort bei den Käufern von Produkten „Made in Germany“.

Die Türkei zeigt sich bereits über viele Jahre als Markt mit sehr großer Nachfrage nach Exportkreditgarantien. Das gilt sowohl für Sammeldeckungen zur Absicherung kurzfristiger Handelsforderungen als auch für Einzeldeckungen für die Absicherung und Finanzierung von Maschinen und Anlagen im Energie- und Transportsektor sowie der Textil- und Holzindustrie. Gemessen am Deckungsvolumen rangierte die Türkei 2021 im Ländervergleich mit 1,68 Milliarden Euro auf Platz 2 (s. aktueller Jahresbericht S. 47). Trotz angespannter Wirtschaftslage und schwacher Landeswährung wird eine hohe Nachfrage nach Exportkreditgarantien für die nächsten Jahre erwartet.

Berkay Esinbay zu seiner neuen Rolle: „Ich freue mich darauf, in besonderen Zeiten deutsche Exporteure und Banken bei ihren Kundengesprächen in Istanbul zu allen Möglichkeiten der Auslandsgeschäftsabsicherung beraten zu können“. Der gebürtige Hamburger mit türkischen Wurzeln verfügt über langjährige Transaktionserfahrungen im Bereich Einzeldeckungen.

Beste Gelegenheiten zur Kontaktpflege vor Ort ergaben sich direkt nach dem Start beim Spring Meeting der Berner Union und bei der GTR Turkey 2022, der wichtigsten Konferenz der Exportfinanzierer im türkischen Markt, die nach zweijähriger Corona-Pause erstmals wieder stattgefunden hat.

Mit dem German ECA Desk können deutsche Unternehmen, ihre türkische Kunden sowie finanzierende Banken leicht und unkompliziert Unterstützung durch einen persönlichen Ansprechpartner abrufen. Berkay Esinbay freut sich schon jetzt über jede Kontaktaufnahme.

Kontakt:
Berkay Esinbay

Head of German ECA Desk in Turkey

Tel.: +49 (0) 40 88 34-95 51 |Mobile: +49 175 417 9312| Berkay.Esinbay@eulerhermes.com

Blick nach vorn: Der Bankensektor in Usbekistan

Auf dem Interministeriellen Ausschuss wurden die Entwicklung der Handelsbeziehungen mit Usbekistan betrachtet und mit den Sachverständigen ein Blick in die Zukunft geworfen. Seit dem Präsidentenwechsel 2016 ist unter Präsident Schawkat Mirsijojew eine deutliche Öffnung der usbekischen Wirtschaft zu beobachten. Mit dem Transformationsprozess im bevölkerungsreichsten Land Zentralasiens ist der Außenhandel und damit auch das Deckungsvolumen der Exportkreditversicherungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Zu den deutschen Exportgütern zählen vor allem Maschinen und Anlagen, überwiegend für den Textilsektor (ca. 60 %), aber auch für Beton, Speiseöl, Glas, Saatgut, Folien, Getränke und Druck.

Erwartung an künftige Exportgeschäfte

Von großer Bedeutung für den internationalen Handel ist das bankbesicherte Geschäft: Es macht 94,6 % der „hermes-“abgesicherten Einzeldeckungen aus, die sich jedoch nur auf wenige usbekische Banken beziehen. Wünschenswert für mehr Exportgeschäft wäre die Erweiterung der in Exportgeschäfte involvierten Banken. Mit Blick in die Zukunft äußerten die Sachverständigen beim Interministeriellen Ausschuss die Erwartung, dass künftig auch Geschäfte ohne Bankbesicherung abgeschlossen werden könnten, sodass das Thema „Corporate Risk“ an Bedeutung gewinnen dürfte.

Zögerlicher Trend in Richtung Privatisierung

Der usbekische Bankensektor unterliegt mit einer Staatsbeteiligung von 85 % weiterhin großem staatlichen Einfluss. Nach Angaben der usbekischen Zentralbank befinden sich von den 32 am Markt aktiven Banken 4 im Staatsbesitz, weitere 9 von 15 Aktienbanken haben überwiegend staatliche Anteilseigner. Lediglich 7 Privatbanken sowie 6 ausländische Banken sind am Markt tätig. Der Privatisierungsprozess für staatliche Banken ist u.a. vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ins Stocken geraten.

Stärkung der lokalen Wertschöpfungskette

Unter Präsident Mirsijojew hat das Verbot des Exports nicht weiterverarbeiteter Baumwolle zur Stärkung der lokalen Wertschöpfungskette geführt. Zudem hat unterstützt die Öffnung des Marktes für ausländische Investitionen den großen Modernisierungsbedarf der Wirtschaft und den Aufbau der textilverarbeitenden Industrie, was zu einer deutlichen Stärkung der lokalen Wertschöpfungsketten beiträgt. Deutsche Textilmaschinen sind wegen ihrer Qualität sehr geschätzt. Trotz dieses Wettbewerbsvorteils verweisen die Sachverständige im Interministeriellen Ausschuss auf die Konkurrenz aus China und von türkischen Anbietern.

Herausforderungen für die usbekische Wirtschaft

Das BIP-Wachstum ist vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie in 2020 deutlich eingebrochen, aber wieder auf einem guten Weg. Größte Herausforderung für die usbekische Wirtschaft ist die hohe Abhängigkeit von Russland, dem wichtigste Handelspartner Usbekistans zusammen mit China. Infolge des Angriffskriegs Russlands reduzieren sich Heimatüberweisungen usbekischer Gastarbeiter, die sich auf 7% BIP belaufen. Auch Exporte nach Russland sind infolge verhängter Sanktionen rückläufig.

Jahresbericht 2021 der Investitionsgarantien veröffentlicht

Der Jahresbericht 2021 für die Investitionsgarantien der Bundesrepublik Deutschland steht ab sofort online unter www.investitionsgarantien.de zur Verfügung. Nach einem stark durch die COVID-19-Pandemie geprägten Jahr 2020 hat sich das neu übernommene Garantievolumen im Jahr 2021 mit 2,6 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdreifacht. 
Schwerpunkt des neuen Garantievolumens waren Projekte in Asien, wobei China erneut das wichtigste Zielland deutscher Investoren darstellte. Zudem wurden erstmals seit längerer Zeit wieder Projekte in Südafrika und Argentinien abgesichert. Das Volumen der neu registrierten Anträge liegt im Jahr 2021 mit 4,3 Milliarden Euro erneut auf hohem Niveau. Es zeigt sich, dass deutsche Unternehmen weiterhin in erheblichem Umfang in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren und eine Absicherung durch Investitionsgarantien angesichts weltweit spürbarer politischer Risiken oftmals eine wesentliche Voraussetzung für die Investitionsentscheidung ist. 
Neben grundlegenden Informationen zu den Investitionsgarantien und aktuellen Projektbeispielen enthält der Jahresbericht auch einen Exkurs zu den Exportkreditgarantien sowie einen Gastbeitrag der GTAI über das Potenzial von grünen Wasserstoffprojekten in Entwicklungs- und Schwellenländern.


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