21. Oktober 2021

Offen, nachhaltig und entschlossen – Die europäische Handelspolitik zwischen einer multilateralen und bilateralen / regionalen Agenda

Nach dem Einbruch infolge der COVID-19-Pandemie erholt sich der Welthandel spürbar. Für das laufende und kommende Jahr rechnet die WTO mit Wachstumsraten von 8 bzw. 4 Prozent. 2022 dürfte der Welthandel damit wieder in etwa das Niveau vor Ausbruch der Pandemie erreicht haben. Die Betrachtung aus der Vogelperspektive suggeriert ein „back to normal“. Ein Blick hinter die Kulissen jedoch zeigt, dass nichts mehr so ist, wie es vor Jahren war. Die Gewichte und die Spielregeln im Welthandel haben sich grundlegend verändert.

Seit dem Beitritt Chinas zur WTO 2001 haben sich die Handelsströme deutlich verschoben. Lag Chinas Anteil am Welthandel vor dessen WTO-Beitritt bei 4 Prozent, beträgt er inzwischen 13 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der USA am Welthandel von 16 Prozent auf aktuell 11 Prozent. Diese fundamentale Verschiebung ist nach Auffassung von Dr. Christian Forwick, Unterabteilungsleiter für Außenwirtschaft und Handelspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, ein wesentlicher Grund für zwei Trends, die den Welthandel aktuell prägen: Mehr Protektionismus auf der einen und weniger Multilateralismus auf der anderen Seite. Beide Entwicklungen laufen fundamental gegen die Interessen Deutschlands, das mit einer Außenhandelsquote von fast 90 Prozent zwingend auf offene Märkte und verlässliche Rahmenbedingungen im grenzüberschreitenden Handel angewiesen ist.

Protektionistische Maßnahmen beeinträchtigen einen freien Marktzugang zunehmend – auch für deutsche Unternehmen. Die Universität St. Gallen betreibt ein Monitoring-Instrument demzufolge es derzeit weltweit mehr als 1.200 Handelseingriffe gibt, die sich auf den Marktzugang deutscher Unternehmen auf Drittmärkten auswirken (https://www.globaltradealert.org). Die Mehrheit davon sind restriktiver Natur und erschweren ausländischen Unternehmen den Marktzugang – z.B. durch erhöhte Lokalisierungsanforderungen. Darunter leiden vor allem kleinere und mittlere Exportunternehmen (KMU). Sie können diesem Trend nicht einfach durch eine Verlagerung ihrer Produktion ins Ausland nachkommen, so der BMWi-Experte.

Aufgrund der Herausforderungen, denen der Multilateralismus gegenübersteht, verfolgt die EU eine bilaterale und regionale Handelsagenda. Derzeit hat sie 77 bilaterale Abkommen abgeschlossen, über weitere wird aktuell verhandelt. Bilaterale und regionale Handelsabkommen können den Warenaustausch signifikant stimulieren. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist die 2011 mit Korea abgeschlossene Vereinbarung. Seitdem sind die Ausfuhren aus der EU nach Korea um 55 Prozent gestiegen.

Die Kehrseite regionaler Handelsabkommen sind jedoch die zahlreicheren und vor allem unterschiedlichen Bestimmungen. Jedes Abkommen hat seine eigenen Regeln. Das gilt z.B. für Standards, Zollvorschriften, Streitschlichtung oder aber Urheberrechte. Diese Komplexität und die damit einhergehenden Außenhandelskosten machen vor allem KMU zu schaffen. In der Konsequenz kann dies sogar dazu führen, dass sich KMU aus einzelnen Märkten zurückziehen, befürchtet Forwick. Hinzu kommt, das bedeutende regionale Handelsabkommen ohne Einbindung der EU abgeschlossen werden. Zum Beispiel in Asien. Dort haben die ASEAN-Staaten zusammen mit Australien, China, Japan, Südkorea und Neuseeland mit dem Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) -Abkommen die größte Freihandelszone der Welt geschaffen.

Die Stärkung des regelbasierten Multilateralismus in der Handelspolitik kann nach Ansicht von Forwick nur über eine Reform der WTO und unter Einbindung der USA und China gelingen. Bis es soweit ist, verfolge die EU in der Handelspolitik einen pragmatischen Ansatz, den der Unterabteilungsleiter mit „offen“, „nachhaltig“ und „entschlossen“ umschreibt. Dazu gehöre auch, Regionalabkommen und Koalitionen Gleichgesinnter zu schließen, die die Reform der WTO von innen heraus vorantreiben und so die Funktionsfähigkeit des Multilateralismus sichern. Forwicks Fazit: „Das Multilaterale bewegt sich. Aber es bewegt sich langsam.“

Auf Einladung des Interministeriellen Ausschusses für Exportkreditgarantien sprach Dr. Christian Forwick, Unterabteilungsleiter im BMWi, über die Zukunft des Multilateralismus und die Regionalisierung von Handelsbeziehungen. 
Sein Fazit: „Das Multilaterale bewegt sich. Aber es bewegt sich langsam.“

Dr. Christian Forwick, Unterabteilungsleiter 
im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Kundenbefragung 2021: 
Exporteure und Banken stellen Exportkreditgarantien sehr gutes Zeugnis aus – Bessere Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen gewünscht

Produkte top. Service hervorragend. Beratung herausragend. 

Exporteure und Banken haben dem BMWi und Euler Hermes, die die Exportkreditgarantien im Auftrag des Bundes bearbeiten, in der aktuellen Kundenbefragung ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Die Gesamtzufriedenheit mit dem Förderinstrument liegt bei ausgezeichneten 97 Prozent – und das mitten in der Corona-Krise mit all ihren zahlreichen Herausforderungen und besonderen Belastungen. Ein tolles Ergebnis, das nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Hermesdeckungen werden als verlässlich, verbindlich und vertrauenswürdig beschrieben. Die Produktpalette entspreche den Bedürfnissen. Im internationalen Vergleich genieße das Förderinstrument ein hohes Ansehen, so die Befragten.

Großes Lob auch für den Beratungsaußendienst, der sehr kunden- und lösungsorientiert arbeite. 97 Prozent der Befragten gaben an, dass sie auch künftig die Exportkreditgarantien nutzen werden. Die Weiterempfehlungsquote beträgt sehr gute 94 Prozent.

Deutlich besser als bei der letzten Befragung 2015 benoteten die Exporteure und Banken vor allem die Bearbeitungsdauer und die Schadenbearbeitung. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die in den vergangenen Jahren ergriffenen Maßnahmen zu signifikanten Verbesserungen in diesen Bereichen geführt haben.

Bei allem Lob gibt es aber auch Punkte, die von den Deckungsnehmern kritisch beurteilt werden. Dazu gehört beispielsweise die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen. Dies betrifft sowohl den Vertrags- und Schadenbereich als auch den Umgang mit Beschwerden. Auch die Bearbeitungsdauer wird trotz der erzielten Fortschritte zuweilen als noch zu lang eingestuft. Prozessbeschleunigung und eine bessere Kundenkommunikation: Zwei Themen, an denen BMWi und Euler Hermes künftig besonders intensiv arbeiten werden.

Naher und Mittlerer Osten – Post-Oil-Economy bietet deutschen Exporteuren Wachstumschancen

Nach dem starken wirtschaftlichen Einbruch in Folge der COVID-19-Pandemie hellt sich der makroökonomische Ausblick für die Länder des Nahen und Mittleren Ostens wieder auf. Für das kommende Jahr prognostiziert der Internationale Währungsfonds für die Region ein Wirtschaftswachstum von rund vier Prozent. Vor allem der stark gestiegene Ölpreis dürfte der Region zugutekommen.

Der Mittlere und Nahe Osten ist jedoch weit mehr als nur Öl. Nahezu alle Golfstaaten sind bestrebt, ihre Volkswirtschaften zu diversifizieren und so ihre Abhängigkeit vom schwarzen Gold zu verringern.

Vor allem Saudi Arabien hat die Zeit nach dem Öl fest im Blick. Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der kommenden zehn Jahre zu einem führenden Anbieter im Bereich der Erneuerbaren Energien aufzusteigen und eine Vorreiterrolle auf dem weltweiten grünen Wasserstoff-Markt einzunehmen. Exemplarisch für die Ambitionen Saudi Arabiens steht das Projekt NEOM (NEO für griechisch „neu“ und M für „mustaqbal“, das arabische Wort für „Zukunft“). Die Energieversorgung der „neuen Zukunft“ soll ausschließlich durch erneuerbare Energien erfolgen.

Für die deutsche Exportwirtschaft bietet die Transformation am Golf enorme Chancen. Produkte und Know-how ‚Made in Germany‘ sind in der Region seit jeher sehr gefragt. Ebenso wie die Exportkreditgarantien des Bundes. Allein im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung Lieferungen und Leistungen in Länder des Nahen und Mittleren Ostens in Höhe von 1,9 Mrd. Euro mit Exportkreditgarantien abgesichert. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich deren Volumen damit verdoppelt. Dies ist umso bemerkenswerter, als im selben Zeitraum der deutsche Export in die Region kontinuierlich zurückgegangen ist.

Um Unternehmen und Banken in der Golfregion die Möglichkeiten und Vorteile bundesgedeckter Geschäfte und Finanzierungen näher zu bringen, hat der Bund vor gut zwei Jahren sein Beratungsangebot in der Region ausgebaut. Seit 2019 informiert die Finanzierungsexpertin Eva Steinhaus vor Ort über Absicherungs- und Finanzierungsmöglichkeiten. Ein Beratungsangebot, das sich innerhalb kürzester Zeit bewährt hat. Sie erreichen Eva Steinhaus über die AHK in Dubai.

Dienstleistungsexporte auf dem Vormarsch – Bund bietet verschiedene Absicherungsprodukte an

Wartung, Schulung, Montage – Export ist weit mehr als die reine Ausfuhr von Waren und Gütern. Immer häufiger wird der klassische Warenexport um Dienst- und Serviceleistungen ergänzt.

Die vom BMWi 2019 in Auftrag gegebene Digitalisierungsstudie förderte zu Tage, dass bereits heute 85 Prozent der deutschen Industriebetriebe ihren ausländischen Kunden ein „Rund-um-Sorglos-Paket“ schnüren – sprich Lieferungen und Leistungen miteinander verbinden.

Dank der fortschreitenden Digitalisierung wird sich der Trend zu mehr Dienstleistungsexporten noch verstärken. Neben produktbegleitenden Dienstleistungen spielen bereits heute nachgelagerte Dienstleistungen, d.h. Dienstleistungen im Anschluss an eine Warenlieferung, eine immer größere Rolle. Die „Krönung“ ist schließlich der Export einer reinen Dienstleistung. Das bedeutet: Service- und Programmierleistungen statt Bagger und Schaufel. Doch ganz gleich ob Lieferung oder Leistung: Die Gefahr eines Zahlungsausfalls besteht in beiden Fällen und kann gerade für kleinere und mittlere Unternehmen sehr schnell existenzbedrohend werden.

Ebenso wie Lieferungen können auch Leistungen mit Hilfe der Exportkreditgarantien des Bundes gegen politisch und wirtschaftlich bedingte Zahlungsausfälle abgesichert werden – zum einen über die Lieferantenkreditdeckung oder aber die reine Leistungsdeckung. Letztere bietet sich vor allem dann an, wenn es sich um reine Leistungsgeschäfte wie z.B. Projektmanagement-, Schulungs-, IT- oder Beratungsleistungen handelt. So wie im Fall der IFL Business Consult. Das Ingenieur- und Beratungsunternehmen hat jüngst ein Leistungsgeschäft mit Ghana über eine Dienstleistungsdeckung des Bundes abgesichert. Wolfram Schäfer, Director Consulting bei der ILF Business Consult: „Ich war positiv überrascht, wie einfach das war. Geringer Aufwand. Schnelle Bearbeitung. Niedrige Kosten.“

Weitere Informationen zu den Deckungsangeboten des Bundes für Dienstleistungen, detaillierte Produktbeschreibungen sowie den Erfahrungsbericht von Wolfram Schäfer finden Sie auf unserer Internetseite.

Neue OECD-Länderrisikoeinstufungen – Cote d’Ivoire und Ecuador verbessern sich

In ihrer Sitzung im Oktober 2021 haben die Expertinnen und Experten der OECD die Länderrisiken von 48 Staaten aus den Regionen Lateinamerika und Karibik sowie West- und Zentralafrika neu bewertet. Die siebenstufige Länderklassifizierung (1 = beste Kategorie, 7 = schlechteste Kategorie) wurde 1999 auf OECD-Ebene eingeführt und ist ein Parameter bei der Berechnung des Entgelts. Im Vergleich zu den bisherigen Einstufungen haben sich folgende Veränderungen ergeben, die zum 22. Oktober 2021 wirksam werden:

Land Kategorie bisher
Aruba 6 5
Bolivien 6 5
Cote d‘Ivoire 5 6
Ecuador 6 7
El Salvador 6 5

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