5.  Juli 2021

Klimaschutz – Die Rolle von grünem Wasserstoff in der globalen Energiewende – Expertinnen des BMWi und der dena zu Gast im IMA

Kaum eine Technologie fasziniert und beschäftigt Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aktuell so stark wie das Thema grüner Wasserstoff.

Welche Chancen und Herausforderungen die neue Technologie bei der Transformation der Wirtschaft für Deutschland und die deutsche Exportindustrie aus Sicht der Politik bereithält, erläuterten Dr. Christine Falken-Grosser, Referatsleiterin für Bilaterale Energiepolitische Zusammenarbeit im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), und Jeannette Uhlig, Teamleiterin Klimaneutrale Energieträger bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) in der Juni-Sitzung des Interministeriellen Ausschusses für Exportkreditgarantien.

 

Gute Exportchancen für Technologie Made in Germany

Die Expertinnen sind sich einig: Grüner Wasserstoff wird eine zentrale Rolle im postfossilen Zeitalter spielen. Welche kann zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht belastbar vorhergesagt werden, schließlich seien bei der Einbindung von grünem Wasserstoff in das künftige Energiesystem – allen Fortschritten zum Trotz – immer noch wichtige Fragen offen. Dies gelte vor allem für die Erzeugung und Distribution.

Was die grüne Wasserstofftechnologie und hier insbesondere die Entwicklung und Herstellung effizienter Elektrolyseanlagen anbelangt, bescheinigen die Expertinnen deutschen Anlagebauern gute Ausgangsvoraussetzungen, um weltweit erfolgreich zu sein. Das Know-how sei da. Elektrolyse Made in Germany habe das Potenzial, zum „next big thing“ der deutschen Exportwirtschaft zu werden.

 

Nachfrage nach grünem Wasserstoff steigt exponentiell

Bereits heute ist die Nachfrage nach grünem Wasserstoff immens. Die dena prognostiziert für Deutschland im Jahr 2030 einen Bedarf von 110 Terawattstunden. 2050 werde dieser bereits 900 Terawattstunden betragen. Vor allem industrielle Schlüsselsektoren wie die Eisen- und Stahlindustrie oder aber die chemische Industrie benötigten große Mengen an grünem Wasserstoff, wenn sie ihre Klimaziele erreichen wollen.

Allein aus Deutschland heraus kann dieser Bedarf nicht gedeckt werden. Nach Einschätzung der dena muss mittelfristig ca. 50 bis 70 Prozent des grünen Wasserstoffs importiert werden. 

Grüner Wasserstoff

Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt Bei grünem Wasserstoff kommt für die Elektrolyse Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz. Neben dem grünen Wasserstoff gibt es z. B. noch blauen, türkisfarbenen, grauen oder aber auch rosa Wasserstoff. Entscheidend für die Farbbezeichnung ist die Herkunft des Stroms, der für die Elektrolyse benötigt wird. Wird zum Betrieb der Elektrolyse beispielsweise Strom aus Erdgas verwendet, spricht man von grauem Wasserstoff.

Der Importanteil an grünen wasserstoffbasierten Syntheseprodukten – sogenannten grünen Wasserstoffderivaten – dürfte noch höher liegen.

Ohne globale Produktion und Lieferketten kein Import. Und so lautet die Gretchenfrage, wie die weltweite Produktion von grünem Wasserstoff, die mit enormen Vorlaufinvestitionen verbunden ist, und der globale Handel der Produkte möglichst schnell in Gang gebracht werden kann.

 

H2Global – Neues Förderinstrument forciert Markthochlauf

Um den internationalen Markthochlauf voranzutreiben, hat die Bundesregierung jüngst das Förderinstrument H2Global ins Leben gerufen. Das Prinzip: Die privatwirtschaftlich organisierte H2Global-Stiftung schließt aus Deutschland heraus mit Produzenten von grünem Wasserstoff weltweit langfristige Abnahmeverträge und verkauft den grünen Wasserstoff bzw. die grünen Derivate über jährliche Auktionen an Unternehmen in Deutschland weiter. Um das Geschäft für Produzenten und Abnehmer von grünem Wasserstoff wirtschaftlich für beide Seiten attraktiv zu gestalten, stellt der Bund knapp eine Milliarde Euro zur Verfügung, um die (noch!) starke Differenz zwischen den Produktionskosten auf der einen und einem wirtschaftlich vertretbaren Abnahmepreis auf der anderen Seite, auszugleichen.

H2Global bildet somit die Brücke, die die Interessen von Produzenten und Abnehmern miteinander verbindet. Das Förderinstrument ist gleichermaßen Stimulus für Erzeuger und Abnehmer und schafft so die Voraussetzung für zunehmende Angebote und Nachfrage nach grünem Wasserstoff sowie für die Etablierung von Lieferketten nach Deutschland.

Weitere Informationen zur Wasserstoffstrategie und dem Förderinstrument H2Global finden Sie unter den nachfolgend aufgeführten Links:

Nationales Reformprogramm 2020 - Die Nationale Wasserstoffstrategie (bmwi.de)

H2Global – DIE GLOBALE ENERGIEWENDE GESTALTEN (h2-global.de)

Stärkung der deutschen Exportwirtschaft – 
Bundesregierung verlängert 5-Punkte Maßnahmenpaket

Auch wenn sich die wirtschaftliche Situation in den vergangenen Monaten deutlich verbessert hat, stellt die Corona-Pandemie die Exportwirtschaft weiter vor Herausforderungen. Viele Unternehmen spüren die wirtschaftlichen Belastungen durch Werkschließungen, Produktionsausfällen und Lockdowns zeitverzögert erst jetzt. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung das 5-Punkte Maßnahmenpaket zur Stärkung der deutschen Exportwirtschaft in der COVID-19-Pandemie bis zum 31. Dezember 2021 verlängert. Einige der im Juli 2020 beschlossenen Maßnahmen sollten ursprünglich Ende Juni 2021 auslaufen.

Das 5-Punkte Maßnahmenpaket zielt im Bereich der Exportkreditgarantien darauf ab, die Liquiditätssituation von Exporteuren und Importeuren zu verbessern, die Refinanzierungsmöglichkeiten von Banken im Zusammenhang mit Exportgeschäften auszuweiten und die Finanzierung von Auslandsgeschäften zu erleichtern.

Das Maßnahmenpaket ermöglicht u.a. die nachträgliche Finanzierung von Geschäften auf Lieferantenkreditbasis und bietet einen 720-Tage-Bestellerkredit zu Sonderkonditionen an. Auf besonders großes Interesse stießen erwartungsgemäß die Erleichterungen bei den Entgeltzahlungen für Absicherungen des Bundes. Diese Erleichterungen greifen u.a. bei Prolongationen sowie der Malus-Berechnung im Rahmen der Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung (APG).

Auf reges Interesse stößt auch die im Rahmen des 5-Punkte Maßnahmenpakets eingeführte Shopping-Line-Deckung. Sie rückt gezielt den Importeur in den Fokus und soll deutschen Exporteuren den Zugang zu Beschaffungsprogrammen bonitätsstarker Auslandskunden erleichtern.

Im Gegensatz zu anderen Maßnahmen des 5-Punkte Programms wurde die Shopping-Line-Deckung von Beginn an nicht zeitlich befristet, sondern unbefristet als neue und innovative Form der Finanzkreditdeckung an den Markt gebracht.

Drei Jahre Hermesdeckungen click&cover EXPORT – 
Rund 300 Anträge – Weiterhin keine Antragsgebühr

Mit Hermesdeckungen click&cover EXPORT bietet der Bund Exporteuren seit 2018 eine digitale Lieferantenkreditdeckung an. Über sie können standardisierte Ausfuhrgeschäfte im Small-Ticket-Bereich (Auftragswert bis 5 Mio. Euro) schnell und sicher abgesichert werden. Das Angebot kommt vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen an. In den vergangenen drei Jahren wurden rund 300 Anträge gestellt; nahezu ausnahmslos von KMU.

Ein großer Teil der zur Absicherung beantragten Geschäfte hatte ein Auftragsvolumen von 250.000 bis 2,5 Mio. Euro. Damit hat sich die digitale Lieferantenkreditdeckung als einfach handhabbares Absicherungsinstrument für geringvolumige Geschäfte etabliert.

Und noch eine gute Nachricht für Exporteure: Für Hermesdeckungen click&cover EXPORT wird auch weiterhin keine Antragsgebühr erhoben. Der Interministerielle Ausschuss (IMA) für Exportkreditgarantien hat in seiner Juni-Sitzung entschieden, die geltende Sonderregelung bis zum Ende des laufenden Jahres zu verlängern.

Hongkong, Myanmar, Sri Lanka: Neue OECD-Länderrisikoeinstufung

In ihrer Sitzung im Juni 2021 haben die Experten der OECD die Länderrisiken von 48 Staaten aus den Regionen Asien sowie südliches und östliches Afrika neu bewertet. Die siebenstufige Länderklassifizierung (1 = beste Kategorie, 7 = schlechteste Kategorie) wurde 1999 auf OECD-Ebene eingeführt und ist ein Parameter bei der Berechnung des Entgelts. Im Vergleich zu den bisherigen Einstufungen haben sich folgende Veränderungen ergeben:

Land  Aktuelle Kategorie    Bisherige Kategorie   
Hongkong    

2

3

Myanmar   

7

6

Sri Lanka   

7

6


Erhalten Sie regelmäßig aktuelle Informationen zu den Instrumentarien der AulandsGeschäftsAbsicherung (AGA) der Bundesrepublik Deutschland.