11. November 2020

Studie untersucht Auswirkungen des digitalen Wandels 
auf Exportkreditgarantien – 
Wissenschaftler geben konkrete Handlungsempfehlungen

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie wir produzieren und miteinander Handel treiben, fundamental. So wie die realwirtschaftlichen Prozesse verändert sich auch deren Finanzierung, und so stellen sich auch neue Herausforderungen für die Exportkreditgarantien des Bundes.

Der klassische Warenexport wie wir ihn seit Jahrzehnten kennen, zeigt nicht mehr die Wachstumsraten früherer Phasen. Stattdessen etablieren sich neue Geschäftsmodelle auf Basis digitaler Lösungen. Betreibermodelle, die sich in erster Linie an der Nutzung einer Maschine orientieren, sowie Service- und Programmierleistungen treten verstärkt an die Stelle des traditionellen Warenexports.

Hinzu kommt ein rasanter Wandel in den Wertschöpfungsketten. Für die Internationalisierung der Wertschöpfung, die schon in der prä-digitalen Welt auf dem Vormarsch war, bieten sich dank der Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten. Dies wird auch das deutsche Exportmodell nachhaltig verändern.

All diese Entwicklungen werfen auch mit Blick auf die Exportfinanzierung und -absicherung neue Fragen auf.

Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums hat die BSS Volkswirtschaftliche Beratung AG in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI und der Universität St.Gallen die Auswirkungen der digitalen Transformation der Wirtschaft auf die Exportkreditgarantien des Bundes wissenschaftlich untersucht.

Die Ergebnisse sowie konkrete Handlungsempfehlungen wurden im Rahmen einer digitalen, interaktiven Veranstaltung am 10. November in Berlin vorgestellt und diskutiert. 

Die Pressemitteilung des BMWi und die Studienergebnisse finden Sie unter diesem Link:

In der Studie werden fünf Handlungsfelder herausgearbeitet:

  1. Neue Zielgruppen erschließen.
  2. Das Instrumentarium dem digitalen Wandel anpassen.
  3. Die Förderungswürdigkeit neu definieren.
  4. Das Produktangebot sowie die Antragstellung und -abwicklung weiter digitalisieren.
  5. Finanzierungsplattformen breiter nutzen.

 

Rund 100 Teilnehmer diskutierten mit den Wissenschaftlern sowie Vertretern des BMWi und von Euler Hermes darüber, wie die Exportkreditgarantien des Bundes diesen Herausforderungen auch in Zukunft gerecht werden können. Einen Schwerpunkt bildete dabei der Begriff der Förderungswürdigkeit, der bei der Übernahme von Exportkreditgarantien ein wesentliches Prüfkriterium darstellt. Wie lassen sich Geschäfte, bei denen anstelle physischer Güter Datensätze oder Programmierleistungen exportiert werden, unter diesen Begriff subsumieren? Ein weiterer Fokus der Diskussionen lag auf der Frage nach zeitgemäßen Finanzierungsformen und Absicherungsprodukten für digitale Dienstleistungen.

Die Empfehlungen der Studie und die Ergebnisse der Veranstaltung fließen in die Diskussionen um die Fortentwicklung der Exportkreditgarantien des Bundes ein und dienen als Grundlage für den weiteren Dialog zwischen Politik und Wirtschaft.

NKS fördert verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln ­– Mittler und Mediator in Streitfragen

Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen sind das wichtigste umfassende internationale Instrument zur Förderung verantwortungsvollen unternehmerischen Handelns. Sie betreffen die Bereiche: Informationspolitik, Menschenrechte, Beschäftigungspolitik, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung, Verbraucherinteressen, Wissenschaft und Technologie, Wettbewerb und Besteuerung.

In der November-Sitzung des Interministeriellen Ausschusses für Exportkreditgarantien informierte Dr. Daniel Rau von der deutschen Nationalen Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze (NKS) die Sitzungsteilnehmer*innen über die OECD-Leitsätze und die Arbeit der NKS.

Rau verdeutlichte den „politischen Charakter“ und die „politische Dimension“ der Leitlinien. Auch wenn sie rechtlich nicht verbindlich seien, erwarte die Bundesregierung, dass sich deutsche Unternehmen bei ihren grenzüberschreitenden Aktivitäten an diese Grundprinzipien halten.

Die deutsche Nationale Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze ist im Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt und hat im Wesentlichen zwei Aufgaben: Zum einen informiert sie über die Leitsätze und fördert deren Umsetzung. Zum anderen tritt sie bei Beschwerdeverfahren als Vermittler und Mediator auf.

Grundsätzlich kann jede Person oder Organisation eine Beschwerde über einen vermeintlichen Verstoß eines Unternehmens gegen die OECD-Leitsätze bei der zuständigen NKS einreichen. Besteht in dem Land, in dem der mutmaßliche Verstoß stattgefunden hat, keine NKS, kann sich der Beschwerdeführer an die NKS jenes Landes wenden, in dem das Unternehmen seinen Hauptsitz hat.

Weitere Informationen zur Nationalen Kontaktstelle finden Sie unter diesem Link: 

Die Welt nach Covid-19 – 
Allianz Volkswirt Arne Holzhausen über die US-Wahl, das Verhältnis zwischen den USA und China, billiges Geld sowie die Gefahr einer Zombiisierung der Wirtschaft

Dieses Chart macht Hoffnung: Nur sechs Monate nach dem dramatischen Einbruch im Frühjahr dieses Jahres hat der weltweite Warenexport im August nahezu wieder das Niveau vor der Covid-19 Pandemie erreicht. Ein Rebound, wie ihn viele erhofft aber nur wenige erwartet hatten. Und auch sonst ist Arne Holzhausen, Head of Insurance and Wealth Markets bei der Allianz Research, für die Post Covid-19 Zeit verhalten optimistisch. In der November-Sitzung des Interministeriellen Ausschusses für Exportkreditgarantien prognostizierte der Volkswirt für die wichtigsten Industrienationen der Welt schon für das kommende Jahr wieder ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt. Für Deutschland rechnet er mit einem Plus von 2,4 Prozent. Weitere zentrale Aussagen von Arne Holzhausen im Überblick:

 

Bild: Entwicklung des weltweiten Warenexports 2020

US-Wahl

Die Wahl von Joe Biden bringt Investoren und Anlegern das zurück, was sie am meisten brauchen: Vertrauen und Verlässlichkeit.

USA / China

An der Auseinandersetzung zwischen den USA und China wird sich auch durch die US-Wahl grundsätzlich nichts ändern. Der Kampf zwischen China und den USA um die wirtschaftliche, politische und militärische Vormachtstellung geht weiter.

Auch Präsident Biden setzt auf „America first“. Statt „Make America great again“ heißt es nun “Buy American”.

China strebt das deutsche Geschäftsmodell an – inklusive einer starken High End Industrie. Die Chancen auf die Einbindung Chinas in ein regelbasiertes Handelssystem sind auch weiterhin gering.

Covid-19

Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen in der aktuellen Krise sind angemessen und notwendig. Der Ausstieg aus den Hilfsprogrammen wird sich jedoch deutlich schwieriger gestalten als der Einstieg. Das hat die Vergangenheit gezeigt und das wird auch in der aktuellen Krise der Fall sein.

Die staatlichen und geldpolitischen Unterstützungsmaßnahmen haben bis dato dazu geführt, dass eine Insolvenzwelle ausgeblieben ist. Dies wird sich mit Auslaufen der Unterstützungsmaßnahmen ändern.

Investitionen

Gegenwärtig sind die Sparquoten sehr hoch. Verbraucher und Investoren halten sich zurück. Die zentrale Frage lautet daher: Wie können die Ersparnisse schnell wieder in den produktiven Kreislauf zurückgeführt werden?

Geldpolitik

Geld wird bis auf weiteres nichts kosten. Die Nullzinspolitik der großen Notenbanken ist das New Normal. Die ewige Liquidität birgt die Gefahr in sich, dass Reformen nicht angegangen und notwendige Investitionen nicht getätigt werden.

Durch die Politik des billigen Geldes droht eine Zombiisierung der Wirtschaft. Das heißt: Unprofitable Unternehmen werden künstlich am Leben gehalten. Lähmung und Verkrustung treten an die Stelle der schöpferischen Zerstörung im schumpeterschen* Sinne.

*Anm. d. Red.: Begriff aus der Makroökonomie nach Alois Joseph Schumpeter

Inflation

Da auch weiterhin keine Preissteigerungen in Sicht sind, wird der permanente Liquiditätszufluss zu einem Anstieg der Vermögenspreise führen. Die soziale Schere zwischen arm und reich wird weiter auseinandergehen.

Arbeitsmarkt

Auch wenn durch die digitale Transformation der Wirtschaft neue Arbeitsplätze entstehen – unter dem Strich gehen durch die Transformation mehr White-Collar-Arbeitsplätze verloren. Mittelfristig ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht zu vermeiden.

Neue OECD-Länderrisikoeinstufungen

In ihrer Sitzung im Oktober 2020 haben die Experten der OECD die Länderrisiken verschiedener Staaten neu bewertet. Die siebenstufige Länderklassifizierung (1 = beste Kategorie, 7 = schlechteste Kategorie) wurde 1999 auf OECD-Ebene eingeführt und ist ein Parameter bei der Berechnung des Entgelts. Im Vergleich zu den bisherigen Einstufungen haben sich folgende Veränderungen ergeben:

LandKategoriebisher
Aruba                            5                       4                           
Bahamas43
Suriname76

Erhalten Sie regelmäßig aktuelle Informationen zu den Instrumentarien der AulandsGeschäftsAbsicherung (AGA) der Bundesrepublik Deutschland.