24. August 2020

EU-Ratspräsidentschaft: Ambitionierte Agenda der Ratsarbeitsgruppe Exportkreditgarantien  

Seit dem 1. Juli 2020 hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne. Corona, Klima, Digitalisierung, Handelsabkommen mit Großbritannien, das Verhältnis zu den USA und China – die Liste der Themen ist lang und die Erwartungen an die deutsche Ratspräsidentschaft sind hoch.

Unterhalb der Meta-Ebene Wirtschaft und Finanzen beschäftigt sich die Ratsarbeitsgruppe Exportkreditgarantien mit der Weiterentwicklung der staatlichen Außenwirtschaftsförderung im internationalen Umfeld. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem folgende vier Punkte:

Default Alt-Tag

1. Modernisierung des OECD-Konsensus

Mit einer grundsätzlichen Überarbeitung des „Grundgesetztes“ der staatlichen Exportfinanzierung soll wieder ein Level Playing Field unter allen Beteiligten hergestellt werden. Im Mittelpunkt einer Überarbeitung des Konsensus stehen die sogenannten financial terms and conditions. Sie betreffen insbesondere Kernfragen wie z.B. Kreditlaufzeiten, Rückzahlungs- oder aber auch Anzahlungsprofile.
 

2. Einbeziehung örtlicher Kosten in die Deckung

Der OECD-Konsensus sieht vor, dass max. 23 Prozent des Gesamtauftragswertes in eine Deckung einbezogen werden dürfen. Diese Regelung scheint nicht mehr zeitgemäß. Vor allem Schwellen-, Transfer- und Entwicklungsländer verlangen immer häufiger, dass Lieferungen und Leistungen vor Ort erbracht, Einheimische beschäftigt oder aber Ressourcen aus der Region verwendet werden müssen. Die Ratsarbeitsgruppe Exportkreditgarantien setzt sich dafür ein, die Deckungsmöglichkeiten für örtliche Kosten auszuweiten.
 

3. Klima und Nachhaltigkeit

Die Ratsarbeitsgruppe strebt an, einen strukturierten und ergebnisorientierten Prozess für eine Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie in Gang zu bringen. Dabei sollen vor allem Anreizsysteme für klimafreundliche Projekte gesetzt werden. Inwieweit klimaschädliche Geschäfte mit Restriktionen belegt werden, ist umstritten und wird aktuell kontrovers diskutiert.
 

4. Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit

Asiatische Staaten – allen voran China – sind in den vergangenen Jahren zu wichtigen Exportnationen aufgestiegen, die zuweilen mit staatlichen Unterstützungsmaßnahmen außerhalb des international bestehenden Regelwerks einen fairen internationalen Wettbewerb unter den Exportnationen unterminieren. Um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exportwirtschaft im globalen Wettbewerb wieder herzustellen, setzt sich die Ratsarbeitsgruppe dafür ein, den Spielraum für europäische Unternehmen im Bereich der Exportkredite auszuweiten.

Digitalisierung im Maschinenbau: The Next Big Thing

VDMA-Geschäftsführer Thilo Brodtmann

Die Digitalisierung im Maschinenbereich schreitet unaufhaltsam voran. In der August-Sitzung des Interministeriellen Ausschusses für Exportkreditgarantien skizzierte VDMA-Geschäftsführer Thilo Brodtmann den aktuellen Stand der Dinge und äußerte sich zum „Next Big Thing“ im Maschinenbau. Hier wesentliche Aussagen aus dem Werktstattbericht:

„Im B2B-Bereich ist der deutsche Maschinenbau bei der Digitalisierung führend. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Intelligente Produkte und Intelligente Prozesse“

 

„Virtuelle Inbetriebnahme, Predictive Maintenance (Vorausschauende Wartung), die grafische Aufbereitung von Maschinenperformance, automatische Lagerbewirtschaftung und Informationsassistenzsysteme an der Mensch-Maschine-Schnittstelle sind längst Realität und zentral für die Erschließung von kleineren Exportmärkten, in denen sich eine Präsenz vor Ort aus Kostengründen nicht rechnet.“

 

„Gegenwärtig wird an der nächsten Generation von digitalen Schnittstellen-Standards gearbeitet. Die herstellerübergreifende Interoperabilität mit dem industriellen Digitalen Zwilling ist bereits weit fortgeschritten. Jetzt geht es um die branchenübergreifende Zusammenarbeit.“

 

„Was Plug and Play für die Consumer Welt ist, ist für den Maschinenbau die Open Platform Communications Unified Architecture (OPC UA). Als Weltsprache der Maschinen ermöglicht sie den plattformunabhängigen Datenaustausch.“

 

„Auf Basis digitaler Lösungen bilden sich neue Geschäftsmodelle. Anstelle des eigentlichen Produktes steht dessen Nutzung im Mittelpunkt des Geschäftsmodells.“

 

„Die Digitalisierung schafft eine neue Form der Zusammenarbeit, für die auch Werk- und Dienstverträge erforderlich sind.“

 

“Betreibermodelle wie Pay per use, Pay per outcome oder Pay per performance werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen.”

 

„Equipment as a service (EAS) is the Next Big Thing – Das weltweite EAS-Business wird bereits heute auf rund 60 Mrd. US-Dollar geschätzt. Und das ist erst der Anfang. Mittelfristig bietet EAS zweistellige Wachstumsraten.“

UFK-Garantie: Bundesregierung unterstützt Batteriezellenprojekt Northvolt

Mit Garantien für Ungebundene Finanzkredite (UFK-Garantien) unterstützt der Bund Vorhaben im Ausland, die für Deutschland von besonderem Interesse sind. Eine solche UFK-Garantie hat der Bund jüngst  im Zusammenhang mit dem Bau einer Fertigungsanlage für Batteriezellen in Schweden übernommen. An dem Vorhaben sind mit Volkswagen und der BMW Group Unternehmen der deutschen Automobilindustrie maßgeblich beteiligt.

Die vom Bund übernommene UFK-Garantie sichert im Rahmen der Gesamtfinanzierung einen von Banken ausgereichten Kredit in Höhe von 525 Mio. USD gegen den Ausfall von politischen und wirtschaftlichen Risiken bis zu einer Höhe von 80 Prozent ab.

Das Batteriezellenprojekt Northvolt ist ein weiterer wichtiger Baustein zum Aufbau einer breiten und stabilen Wertschöpfungskette für die Elektromobilität in Deutschland und Europa. 

Weitere Informationen finden Sie in der BMWi Pressemitteilung zu Northvolt

Northvolt Fertigungsanlage, Ansicht von oben

Investitionsgarantien des Bundes: Halbjahresbericht 2020 veröffentlicht

Der Bund hat im ersten Halbjahr 2020 Investitionsgarantien mit einem Gesamtvolumen von 731,3 Millionen Euro für Projekte in elf Staaten übernommen. Der Branchenschwerpunkt lag auf der Bauindustrie, gefolgt von der Energiewirtschaft sowie der chemischen und pharmazeutischen Industrie.

Asien bildet mit rund drei Viertel des neu übernommenen Garantievolumens den regionalen Schwerpunkt. Gemessen am Volumen wurden Garantien für Projekte in China, Belarus, Indien, Russland und Pakistan besonders stark nachgefragt. 22 % der Antragsteller haben das Instrument erstmals in Anspruch genommen. Der aus den Vorjahren bekannte Trend zur stärkeren Nutzung der Investitionsgarantien durch kleinere und mittlere Unternehmen setzt sich fort: 26 % der neu übernommenen Garantien entfallen auf diese Unternehmen. Das liegt über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Die Höchsthaftung des Bundes aus dem valutierenden Garantiebestand beläuft sich Mitte des Jahres 2020 auf 29,3 Milliarden Euro. 9,5 Milliarden Euro hiervon entfallen auf abgesicherte Projekte in China. Der zweitgrößte staatsbezogene Wert entfällt auf abgesicherte Projekte in Russland (8,1 Milliarden Euro).

Den aktuellen Halbjahresbericht über die Investitionsgarantien finden Sie auf unserer Internetseite.

EH-Report: CFOs haben am meisten Angst vor Zahlungsausfällen

Nichts fürchten deutsche und europäische Finanzchefs (CFOs) so sehr wie säumige Kunden und Zahlungsausfälle. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des privaten Kreditversicherungsunternehmens Euler Hermes unter europäischen CFOs.

Die Sorge ist begründet. Nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie sind fast zwei Drittel der europäischen Unternehmen von Zahlungsverzögerungen betroffen. In Deutschland kämpfen mehr als ein Drittel täglich mit Zahlungsverzögerungen. Den vollständigen Report finden Sie hier.


Erhalten Sie regelmäßig aktuelle Informationen zu den Instrumentarien der AulandsGeschäftsAbsicherung (AGA) der Bundesrepublik Deutschland.