19. Februar 2020

Bund sicherte 2019 Geschäfte in Höhe von 21 Mrd. Euro mit Exportkreditgarantien ab

Deckungsvolumen steigt im zweiten Jahr in Folge

2019 sicherte die Bundesregierung Ausfuhren in Höhe von 21 Mrd. Euro mit Hermesdeckungen ab. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 6,1 % (2018: 19,8 Mrd. Euro). 
Das hohe Deckungsvolumen zeigt das anhaltende Interesse von Exporteuren und Banken an dem Förderinstrument und belegt die Bereitschaft der Bundesregierung, Unternehmen auch in schwierigen Zeiten bei ihren Auslandsaktivitäten zu unterstützen.
Den Schwerpunkt bei den gedeckten Geschäften bildeten 2019 erneut Lieferungen und Leistungen in Schwellen- und Entwicklungsländer. Sie machten drei Viertel des Neugeschäfts aus. Wichtige Auslandsmärkte wie Russland, die Türkei oder China gehörten auch 2019 zu den Ländern mit den höchsten Deckungsvolumina.
Im zurückliegenden Jahr sicherte die Bundesregierung neben zahlreichen KMU-Geschäften eine Reihe von Großgeschäften mit Exportkreditgarantien ab, vor allem im Schiffsektor. Damit leistete sie einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der maritimen Wirtschaft in Deutschland.
Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung des BMWi.

OECD-Länderrisikoeinstufungen: Ukraine verbessert sich in Kategorie 6 – Algerien und Tunesien heruntergestuft

In ihrer Sitzung Ende Januar haben die Experten der OECD turnusmäßig die Länderrisiken von 40 Staaten aus Europa, den GUS-Staaten, dem Mittleren Osten und Nordafrika neu bewertet. Die Länderklassifizierung ist ein Parameter bei der Berechnung des Entgelts.

Im Vergleich zu den bisherigen Einstufungen haben sich folgende acht Veränderungen ergeben:

Land Kategorie bisher
Algerien 5 4
Iran 7 6
Kosovo 6 7
Oman 5 4
Serbien 4 5
Tunesien 6 5
Turkmenistan 7 6
Ukraine 6 7

Die neuen Ländereinstufungen gelten seit dem 7. Februar 2020.

Die nächste Sitzung der OECD-Länderrisikoexperten findet im Juni 2020 statt. Im Mittelpunkt stehen dann die Staaten Asiens sowie des südlichen und östlichen Afrikas.

Investitionsgarantien des Bundes

„Garantienehmer schätzen das effektive Krisenmanagement der Bundesregierung“

Die Investitionsgarantien des Bundes werden häufig ein wenig despektierlich als „die kleine Schwester“ der Exportkreditgarantien bezeichnet. Zu Unrecht. Auch wenn sie nicht so sehr im Fokus wie die weithin bekannten Hermesdeckungen stehen, sind sie dennoch ein bedeutender Baustein der deutschen Außenwirtschaftsförderung. 1960 übernahm der Bund erstmals eine Investitionsgarantie. Seitdem hat diese spezielle Form der Absicherung kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. 

7 Fragen an …

… Michael Huber-Saffer, Bereichsleiter der Investitionsgarantien bei PwC

Herr Michael Huber-Saffer, Bereichsleiter der Investitionsgarantien bei PwC

Herr Huber-Saffer, was sind das für Investitionsvorhaben, die der Bund mit seinen Garantien absichert?

Es muss sich um eine förderungswürdige, deutsche Direktinvestition in einem Entwicklungs- oder Schwellenland handeln. Die Investition muss zudem über einen ausreichenden Rechtsschutz verfügen. In der Praxis ist das Bild sehr bunt: Der Bund unterstützt Investitionen in nahezu allen Branchen, Regionen und Größenklassen, von KMU-Projekten im Lebensmittelsektor Osteuropas über Erneuerbare Energie-Vorhaben in Afrika bis zu großen KfZ-Standorten und Infrastrukturprojekten in Asien. 

Wodurch zeichnen sich die Investitionsgarantien aus und was sind die wesentlichen Unterschiede im Vergleich zu den EKG?

Investitionsgarantien flankieren langfristige Direktinvestitionen deutscher Unternehmen, das sind in der Regel Beteiligungen und Gesellschafterdarlehen, aber auch langfristige Finanzierungen deutscher Banken. Im Unterschied zu Exportkreditgarantien sichern Investitionsgarantien ausschließlich gegen politische Risiken, wie z. B. Krieg, Aufruhr, Transferbeschränkungen oder enteignungsgleiche Eingriffe. Die Garantienehmer schätzen dabei besonders das effektive Krisenmanagement der Bundesregierung, falls bei abgesicherten Projekten tatsächlich Probleme entstehen und ein Schadensfall droht – was häufiger vorkommt, als man denkt! Allein im letzten Jahr hat der Bund bei Projekten in mehr als zehn Ländern diplomatisch interveniert, um die Probleme auszuräumen und einen Schaden für den Investor zu verhindern. 

Allen Unterschieden zum Trotz - wie wirken die beiden Instrumente zusammen?

Deutsche Unternehmen erschließen ausländische Märkte zunächst oft mit Exporten aus Deutschland. In vielen Fällen wächst im Zeitverlauf der Grad an Lokalisierung durch den Aufbau lokaler Service- und Vertriebszentren bis hin zur Investition in Fertigungsstätten im Absatzmarkt. Um den deutschen Unternehmen und den finanzierenden Banken über alle Phasen hinweg eine bestmögliche Risikoabsicherung anbieten zu können, sind die von Euler Hermes und PwC betreuten Außenwirtschaftsinstrumente eng verzahnt. Sei es im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, bei konkreten Beratungsgesprächen oder nach Garantieübernahme im Bereich des Krisenmanagements bzw. der politischen Flankierung. 

Wie schätzen Sie die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Investitionsgarantien ein und welche Trends zeichnen sich ab?

Der Blick in die Zeitung zeigt, dass die globalen Rahmenbedingungen für langfristige Auslandsinvestitionen sich zuletzt deutlich verschlechtert haben. Das Thema „politisches Risiko“ ist bei Unternehmen wieder ganz oben auf der Agenda. Dies zeigt sich in der Nachfrage nach Investitionsgarantien, die im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen ist. Seit Jahren registrieren wir für asiatische (China, Indien) sowie osteuropäische Länder (Russland, Türkei) eine besonders hohe Nachfrage nach Investitionsgarantien. Afrika entwickelt sich jedoch auch zunehmend als Zukunftsmarkt für deutsche Unternehmen. Branchenschwerpunkte bestehen traditionell im Maschinenbau, der KfZ-Industrie und im Öl- und Gas- bzw. dem Petrochemie-Sektor. Erneuerbare Energien sind sicherlich das wachstumsstärkste Segment, wobei wir hier häufig auch mit neuen Investorengruppen wie Family Offices, Private Equity-Häusern oder institutionellen Investoren über eine Einbindung von Investitionsgarantien sprechen. 

Ende 2018 wurden die Garantiebedingungen für Investitionsvorhaben in CwA-Ländern in Afrika verbessert. Hat sich das schon positiv auf die Nachfrage nach Investitionsgarantien ausgewirkt?

Investitionsvorhaben werden grundsätzlich mit längeren Vorlaufzeiten geplant, so dass veränderte Rahmenbedingungen – wie die verbesserte Förderung von Investitionen in CwA-Ländern – sich erst mit zeitlichem Abstand in konkrete Investitionstätigkeit übersetzt. Wir sehen jedoch gerade in den letzten Monaten, dass die Anfragen und Anträge für CwA-Länder deutlich gestiegen sind. Bei vielen Unternehmen ist der afrikanische Kontinent – mit allen Chancen und Risiken – inzwischen stärker in das Bewusstsein gerückt. Allerdings gilt dies nicht für alle CwA-Länder im gleichen Umfang.

Russland ist für deutsche Investoren traditionell ein wichtiger Markt. 2019 taucht das Land bei den neu übernommenen Deckungen jedoch nicht unter den Top 5 auf. Woran liegt das?

Der Interministerielle Ausschuss hat seine Deckungspraxis zu Russland in den letzten Jahren nicht geändert. Der Rückgang lässt sich vielmehr mit einer spürbaren Investitionszurückhaltung deutscher Unternehmen in Russland erklären.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: In den kommenden Jahren werden die Investitionsgarantien …

… weiter an Bedeutung gewinnen, da deutsche Unternehmen weiterhin in großem Umfang im Ausland investieren und die politischen Risiken in vielen Zielregionen – leider – eher zunehmen.

AUF EINEN BLICK:

2019 hat der Bund Investitionsgarantien in Höhe von 3,3 Mrd. Euro für Projekte in 16 Ländern übernommen. Das Gesamtvolumen hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdreifacht (2018: 1,2 Mrd. Euro).

Informationen zum Förderinstrument des Bundes finden Sie unter www.investitionsgarantien.de


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