AGA-Report Nr. 291

2. Juli 2018

Dialogveranstaltung 2018: Bundesregierung erleichtert Ausfuhrgeschäfte nach Afrika und beschließt Maßnahmen zur Stärkung von KMU  

Neues Absicherungsprodukt: Digitale Lieferantenkreditdeckung Hermesdeckungen click&cover EXPORT

Die diesjährige Veranstaltung „Im Dialog mit der Wirtschaft“ im Bundesministerium der Wirtschaft und Energie (BMWi) stand ganz im Zeichen der Fortentwicklung der staatlichen Exportkredit- und Investitionsgarantien. Neben Erleichterungen für kleinere und mittlere Exportunternehmen kündigte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Thomas Bareiß, Verbesserungen bei Exportkreditgarantien für Afrika an.

Um Ausfuhrgeschäfte nach Afrika zu erleichtern, hat die Bundesregierung mit sofortiger Wirkung den Selbstbehalt für die Absicherung von Lieferungen und Leistungen an den öffentlichen Sektor in ausgewählten Ländern Afrikas von zehn auf den üblichen Satz von fünf Prozent gesenkt. Dies betrifft die Compact with Africa Staaten Côte d’Ivoire und Senegal sowie – unter bestimmten Voraussetzungen – Äthiopien, Ghana und Ruanda. Geplant ist, diese Verbesserung schrittweise auch auf andere afrikanische Länder auszuweiten, soweit es die jeweiligen Reformfortschritte zulassen.

Des Weiteren kündigte der Parlamentarische Staatssekretär  Bareiß an, dass die Produktpalette der Exportkreditgarantien zum 1. Juli 2018 um eine digitale Lieferantenkreditdeckung ergänzt wird. Hermesdeckungen click&cover EXPORT ist das erste digitale Absicherungsprodukt und richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Unternehmen, die schnell und unkompliziert standardisierte Exportgeschäfte in einer Größenordnung von bis zu fünf Millionen Euro und maximal fünf Jahren Kreditlaufzeit gegen politisch oder wirtschaftlich bedingte Forderungsausfälle absichern möchten.

Darüber hinaus hat die Bundesregierung entschieden, die zulässige Kreditlaufzeit bei der Akkreditivbestätigungsrisikodeckung von einem auf fünf Jahre zu verlängern. Beide Maßnahmen sind wichtige Beiträge, um die Finanzierung kleinvolumiger Geschäfte zu verbessern und tragen dazu bei, den deutschen Mittelstand im internationalen Wettbewerb zu stärken.

BDI-Präsident Prof. Dieter Kempf betonte in seinem Statement, die Notwendigkeit zeitgemäßer Absicherungsinstrumente gerade in Zeiten stark zunehmender politischer und wirtschaftlicher Risiken. Umso wichtiger seien Exportkreditgarantien als stabilisierendes Element in der Außenwirtschaftspolitik.

Dr. Marcus Chromik, Mitglied des Vorstands der Commerzbank und verantwortlich für das Risikomanagement des Konzerns sowie Big Data and Advanced Analytics, beleuchtete in seinem Impulsvortrag die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Exportfinanzierung. Die Digitalisierung verändere die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen fundamental, so Dr. Chromik. Der Trend gehe weg vom physischen Versenden. Der Besitz von Gütern werde künftig eine andere Rolle spielen. Auch neue Technologien wie die Blockchain, das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz, Big Data und der 3D-Druck veränderten die Exportfinanzierung.

Die Veranstaltung „Im Dialog mit der Wirtschaft“ findet alle zwei Jahre statt und hat sich als wichtiges Dialogforum für Exporteure, Banken und Politik etabliert. In diesem Jahr kamen rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Berlin.

IMA-Auswärtssitzung in Lengerich: Zu Besuch bei Windmöller & Hölscher

Der Interministerielle Ausschuss für Exportkreditgarantien hat seine diesjährige Auswärtssitzung in Lengerich, dem Standort des Unternehmens Windmöller & Hölscher, abgehalten. Windmöller & Hölscher gehört zu den technologisch weltweit führenden Anbietern von Maschinen und Systemen zur Herstellung und Verarbeitung flexibler Verpackungen. Der Ausschuss hat vor Ort die Möglichkeit genutzt, sich über die Aufstellung und Strategie des Unternehmens zu informieren, um die Bedürfnisse der Branche besser zu verstehen.

6 Fragen an …

… Dr. Jürgen Vutz, Vorstandsvorsitzender von Windmöller & Hölscher

Dr Jürgen Vutz, Vorstandsvorsitzender von Windmöller

Herr Vutz, Windmöller & Hölscher ist weltweit aktiv. Welche Bedeutung hat das Exportgeschäft für das Unternehmen?

Mit einer Exportrate von über 90 Prozent ist das internationale Geschäft die Basis für den Erfolg von Windmöller & Hölscher.

Welche Chancen aber auch welche Risiken sind mit dem Auslandsgeschäft verbunden?

Der Markt der flexiblen Verpackung wächst weltweit, international oft deutlich stärker als in Deutschland. Durch unsere internationale Aufstellung können wir diese weltweiten Wachstumsmärkte nutzen. Mit dem Auslandsgeschäft ist aber auch ein erhöhter organisatorischer Aufwand verbunden. Das Risiko von Forderungsausfällen steigt.

Inwieweit nutzt Windmöller & Hölscher Exportkreditgarantien?
Windmöller & Hölscher nutzt bereits seit Jahrzehnten die Exportkreditgarantien, vor allem bei der Erschließung von Schwellen- und Entwicklungsländern.

Ebenso wichtig wie die Geschäftsabsicherung ist die Geschäftsfinanzierung. Inwieweit helfen die Exportkreditgarantien des Bundes dabei, ein Auslandsgeschäft zu finanzieren?

Für Kunden in Wachstumsmärkten ist es häufig schwierig, eine entsprechende Finanzierung zu erhalten. Die entsprechenden Infrastrukturen befinden sich oft selbst noch im Aufbau. Die Exportkreditgarantien helfen uns, das Risiko zu minimieren und damit gerade diese neuen Märkte erfolgreich zu erschließen.  

Im Bereich der Exportkreditgarantien hat sich in den vergangenen Monaten und Jahren einiges getan. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Sehr positiv empfinden wir die zunehmende Digitalisierung. Prozesse werden vereinfacht, ohne die Sicherheit außer Acht zu lassen. Eine Entwicklung, die wir genauso auch in unserer Branche sehen – hier ist es gut, wenn die Hermesdeckungen sich mit uns entwickeln.
Wenn Sie einen Wunsch an die Exportkreditgarantien frei hätten – welcher wäre das?
Ganz klar: Die Förderung von Small Tickets, also Aufträgen von unter 5 Mio. Euro.

Hermesdeckungen click&cover EXPORT: Digitale Lieferantenkreditdeckung erleichtert Finanzierung von Small Tickets

Seit dem 1. Juli 2018 bietet der Bund Exporteuren mit Hermesdeckungen click&cover EXPORT eine digitale Lieferantenkreditdeckung an. Es ist das erste digitale Absicherungsprodukt und richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), die schnell und unkompliziert standardisierte Ausfuhrgeschäfte in einer Größenordnung von bis zu fünf Millionen Euro und maximal fünf Jahren Kreditlaufzeit gegen politisch oder wirtschaftlich bedingte Forderungsausfälle absichern möchten.

Hermesdeckungen click&cover EXPORT ist zudem ein wichtiger Schritt, die Finanzierung kleinvolumiger Transaktionen (Small Tickets) zu verbessern. Die Bankfinanzierung von Small Tickets ist aufgrund zunehmender Prüf- und Dokumentationspflichten sowie neuer regulatorischer Anforderungen in den vergangenen Jahren aufwändiger geworden. Die Exportwirtschaft und insbesondere KMU, die im Außenhandel tätig sind, stehen hier vor zunehmenden Herausforderungen. Mit der Bundesdeckung erhöhen sich die Chancen, dass der Exporteur die gewünschte Finanzierung von seiner Bank erhält. 

Digitaler Abschluss, schnelle Abwicklung, vollständige Kostentransparenz: Hermesdeckungen click&cover EXPORT ist Ausgangspunkt für weitere digitale Produkte und Dienstleistungen, die der Bund gemeinsam mit dem Mandatar des Bundes (Euler Hermes) in den kommenden Monaten bereitstellen wird. Ausführliche Informationen zur digitalen Lieferantenkreditdeckung finden Sie unter diesem Link.

Digitale Lieferantenkreditdeckung auf einen Blick

Dialogveranstaltung 2018: Investitionsgarantien des Bundes wichtige riskominimierende Komponente bei Auslandsinvestitionen

Der diesjährige Workshop zu den Investitionsgarantien trug den Titel „Lokalisierung der Produktion im Ausland – Chancen und Risiken“.

Die Nachfrage nach Absicherungen gegen politische Risiken für Investitionen in China und Russland zeigt sich seit vielen Jahren unverändert hoch, so dass diese Länder den höchsten Bestand an Investitionsgarantien aufweisen. Gleichzeitig konnte der Bund im vergangenen Jahr insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei ihren Investitionen in den Iran vermehrt unterstützen.

Insbesondere die Panelteilnehmer der Germany Trade & Invest (GTAI) und Vertreter aus Wirtschaft und Politik zeichneten zu allen drei Ländern ein sich zunehmend schwieriger gestaltendes Umfeld und betonten die Notwendigkeit, Unternehmen bei ihrem Auslandsengagement politisch zu unterstützen. Insbesondere die Entwicklungen hinsichtlich der US-Sanktionen in Russland und dem Iran stellen Unternehmen vor große Schwierigkeiten.

Die Unternehmensvertreter betonten, dass sie Investitionsgarantien systematisch als Komponente des Risikomanagements für ihre Auslandsinvestitionen nutzen. Dabei wurde der Geleitschutz des Bundes zur Vermeidung von Schäden als maßgebliches Motiv für eine Absicherung der Projekte durch Investitionsgarantien in den Vordergrund gestellt.