AGA-Report Nr. 282

26. September 2017

Exporte

Der AGA-Beratungsaußendienst: Kompetenter Ansprechpartner vor Ort

Ob Exporteure, Banken oder Verbände: Wer immer sich über Exportkreditgarantien des Bundes informieren will, hat es nicht weit. An acht Standorten – verteilt über das ganze Bundesgebiet – bietet der AGA-Außendienst Expertise und Beratung aus erster Hand an. 

Die Nachfrage ist groß, der Beratungsbedarf hoch. Allein in den ersten sieben Monaten fanden über 650 Unternehmensbesuche statt. Karsten Neukirch, Head of Department Market & Commercial: „Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen suchen das Gespräch. Vor Ort erläutern wir gerne persönlich und ganz konkret, wie sich ihre Geschäfte finanzieren und absichern lassen.“

Einen Beratungsschwerpunkt bildete die neue Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung (APG), die seit dem 1. Juli angeboten wird. Zahlreiche Vertreter von Banken und Exportunternehmen informierten sich bei den Roadshows und in Workshops über die neue APG. Vor allem die Erleichterungen beim Umsatz- und Nachmeldeverfahren stießen auf großes Interesse und Zustimmung. 

Ein weiteres Highlight: Das neue Veranstaltungsformat „Bring your project to…“. Bei der Premiere Anfang September in Hamburg drehte sich alles um Afrika. Über 150 Exporteure und Banken diskutierten mit Vertretern des Bundeswirtschaftsministeriums, den Experten von Euler Hermes sowie weiteren Vertretern von Unternehmen, Banken und Verbänden, in welcher Form der Bund sie dabei unterstützen kann, Projekte in Afrika zu realisieren. Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, der die Veranstaltung bereits im Vorfeld konstruktiv begleitet hat, war ebenso vor Ort wie Germany Trade & Invest, die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing.

 Wenn auch Sie mit unseren Experten ins Gespräch kommen möchten – den Ansprechpartner in Ihrer Nähe finden Sie im Infocenter unter Ansprechpartner -> Firmenberater (PDF).

„Es gibt überhaupt keinen Grund, die Exportkreditgarantien in Frage zu stellen.“

Marcel Fratzscher, Professor für Makroökonomie und Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) über den Sinn von Hermesdeckungen im Zeitalter von Handelsüberschüssen und wie die Politik dem Ungleichgewicht in der Leistungsbilanz begegnen sollte. 

Deutschland wird von verschiedenen Seiten wegen seines permanenten Handelsüberschusses kritisiert. Zu Recht?

Ja, die Kritik an dem deutschen Handelsüberschuss, der mittlerweile über acht Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, ist berechtigt. In Deutschland wird gerne so getan, als würden mit dieser Kritik die wirtschaftliche Stärke und die Wettbewerbsfähigkeit der exportstarken deutschen Unternehmen angegriffen. Dem ist aber nicht so: Den Handelsüberschuss anzuprangern heißt vor allem, den Finger auf einen anderen wunden Punkt zu legen, nämlich die Schwäche der Importe, die wiederum ein Ergebnis der chronischen Investitionsschwäche in Deutschland ist. Ein derart hoher Überschuss ist Zeichen eines Ungleichgewichts, und wir Ökonomen sorgen uns über Ungleichgewichte.


Prof. Marcel Fratzscher, Ph.D. / Foto: DIW Berlin / B.Dietl
Prof. Marcel Fratzscher, Ph.D.
Foto: DIW Berlin / B.Dietl

Ein Handelsbilanzüberschuss ist doch vor allem ein Ausdruck wirtschaftlicher Stärke. Was ist daran schlecht? Sind die Handelsbilanzüberschüsse nicht in erster Linie ein Qualitätsbeweis für Waren „Made in Germany“? 

Ein Überschuss ist ein Saldo und hat immer zwei Komponenten. Sie sprechen die eine an: Ja, selbstverständlich, die Qualität deutscher Produkte ist ein wesentlicher Grund für die Exportstärke und das ist gut so. Mich interessiert aber die andere Komponente. Von der anderen Seite her gesehen ist der Überschuss nämlich ein Zeichen mangelnder Importe und mangelnder Investitionen und das ist schlecht. Gut wäre, wenn der Stärke der exportierenden Unternehmen, für die ich großen Respekt habe, eine dynamische Investitionstätigkeit im Inland gegenüberstehen würde, sowohl von öffentlicher als auch von privater Hand, sowohl von inländischen als auch von ausländischen Unternehmen.

Geht vom deutschen Handelsüberschuss eine Gefahr für die Weltwirtschaft aus? 

Der Gefahr ist vor allem die deutsche Wirtschaft selbst ausgesetzt, denn die fehlenden Investitionen bedrohen die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen – ich denke hier an die unzureichende digitale Infrastruktur und an die mangelnden Investitionen in die Ausbildung der Fachkräfte, die wir morgen brauchen werden. Eine andere Gefahr ist die Isolierung Deutschlands im Kreis seiner internationalen Partner. Wenn die Bundesregierung der Kritik an dem Handelsüberschuss immer nur stur entgegnet: „Wir können nichts dafür, die anderen kaufen nun mal sehr gerne unsere Produkte“, dann entsteht bei unseren Partnern verständlicherweise eine gewisse Irritation, eine Frustration, und das ist schädlich in einer Zeit, in der wir alle, insbesondere in Europa, auf Zusammenarbeit und Zusammenhalt angewiesen sind.

Prof. Marcel Fratzscher, Ph.D.  / Foto: DIW Berlin / Florian Schuh

    Prof. Marcel Fratzscher, Ph.D.
Foto: DIW Berlin / Florian Schuh

Selbst Bundesfinanzminister Dr. W. Schäuble bezeichnete den Handelsüberschuss Deutschlands als „zu hoch“. Kann und sollte die Politik intervenieren, um den deutschen Handelsüberschuss zu senken? 

Ja, das kann sie. Die Politik kann Investitionen anregen. Der Staat kann selber Geld in die Hand nehmen, aber das ist nur ein Teil der Antwort. Von hoher Bedeutung sind auch Rahmenbedingungen für die Investitionstätigkeit. Hier können zum Beispiel Genehmigungsverfahren vereinfacht, die Bürokratie verschlankt und der Zugang zu Fremdkapital für Unternehmen erleichtert werden, um nur einige Beispiele zu nennen.


Inwieweit trägt der Wechselkurs des Euro zum deutschen Handelsbilanzüberschuss bei? Schließlich verbilligt ein schwacher Euro deutsche Waren im Ausland. 

Dieses ist ein besonders schlechtes Argument. Als der Euro im Jahr 2001 seinen Tiefpunkt erreichte, bei 0,82 Euro für einen US-Dollar, hatte Deutschland ein Handelsdefizit. Als er wiederum im Jahr 2011 seinen Höchststand von fast 1,60 Euro hatte, stand der Handelsüberschuss schon bei beinahe sieben Prozent des BIPs. Der Wechselkurs hat tatsächlich wenig Einfluss auf die Handelsbilanz, denn ein großer Teil des Handels wird in Euro abgewickelt, und die starke Einbindung in globale Wertschöpfungsketten bedeutet, dass deutsche Exporte einen hohen Importanteil haben.

Die Handelsüberschüsse Deutschlands liegen bei gut acht Prozent des BIP. Was wäre ein erträgliches und international akzeptiertes Maß?

Aus Sicht der Europäischen Kommission ist ein Handelsüberschuss jenseits von sechs Prozent exzessiv. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass zwei bis drei Prozent ein gutes Maß wären. Natürlich hat Deutschland eine alternde Gesellschaft und ist ein reiches Land, sollte aus beiden Gründen tendenziell eher Überschüsse haben und international Vermögen aufbauen. Aber diese strukturellen Faktoren können nur einen sehr begrenzten Teil der Überschüsse erklären.

Die Exportkreditgarantien tragen nachweislich zu einem Mehr an Exporten bei. Sollte die Bundesregierung vor dem Hintergrund eines permanenten Handelsüberschusses an der Exportförderung weiter festhalten? 

Die Exportkreditgarantien sind gut und wichtig, nicht nur für die deutschen Exporteure, sondern auch für die Handelspartner in den anderen Ländern. Das Problem ist ja nicht, dass die deutschen Exporte zu hoch sind oder dass zu viel gehandelt wird. Sondern das Problem ist, dass Deutschland zu wenig im eigenen Land investiert und dass das die Importe hemmt. Es gibt überhaupt keinen guten Grund, die Exportkreditgarantien in Frage zu stellen. Im Gegenteil, sie tragen zum Wohlstand bei und sollten daher fortgesetzt und gestärkt werden.

Fördert der Handelsüberschuss Deutschlands im Ergebnis Abschottungstendenzen in andern Ländern?

Ich würde sagen ja. Wir sehen zum Beispiel, dass Donald Trump – bei aller Skepsis seinem Regierungsstil gegenüber – das US-Handelsdefizit mit Deutschland (von immerhin 60 Milliarden Euro) als Anlass nimmt, mit einem Handelskrieg zu drohen. Interessant ist übrigens dabei, dass die USA eigentlich einen Überschuss gegenüber Deutschland haben, wenn man sich lediglich die IKT-Branche (Informations- und Kommunikationstechnologie) anguckt, also die Sektoren, die das größte Zukunftspotential haben.

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft. Wird der deutsche Handelsüberschuss in fünf Jahren noch so hoch sein wie heute?

Das hängt sehr von der Richtung ab, die die deutschen EntscheidungsträgerInnen in den nächsten Monaten und Jahre einschlagen. Tendenziell wird der Überschuss sinken, aber zu langsam und zu wenig, um die Gegner zufriedenzustellen. Aber wichtiger noch sind die Auswirkungen für Deutschland. Es ist in unserem eigenen besten Interesse, die Handelsüberschüsse durch mehr einheimische Investitionen (und dadurch Importe) abzubauen. Das würde mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland schaffen und auch den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

Argentinien: Bund übernimmt erste Deckungen für Geschäfte mit dem öffentlichen Sektor 

Im September 2016 hat der Bund die Deckungsmöglichkeiten für Geschäfte mit Argentinien deutlich ausgeweitet. Seitdem können Geschäfte mit dem privaten Sektor wieder unbeschränkt hermesgedeckt werden. Und auch die Deckungen für Geschäfte mit dem öffentlichen Sektor sind mit Staatsgarantien wieder möglich.

Die Nachfrage nach Hermesdeckungen für Geschäfte nach und mit Argentinien ist seit Öffnung der Deckungspolitik deutlich gestiegen, insbesondere im Bereich der Infrastruktur und Daseinsvorsorge. Inzwischen hat der Bund eine Reihe von Geschäften, auch mit größerem Volumen, in Deckung genommen.

Bleibt die Frage, wie es wirtschaftlich in Argentinien weitergeht. Experten sind verhalten optimistisch und gehen davon aus, dass die Wirtschaft des Landes künftig um zwei bis drei Prozent pro Jahr wachsen wird. Auch Direktinvestitionen und die Industrieproduktion ziehen wieder an.

Ob der positive Trend dauerhaft anhält, wird vor allem davon abhängen, ob Präsident Mauricio Macri seine Reformagenda weiter vorantreiben kann. Die Zwischenwahlen, die am 22. Oktober 2017 stattfinden, werden Aufschluss darüber geben, welche weitere Entwicklung Argentinien nimmt.

Irak: Trade Bank of Iraq als Garant und Darlehensnehmer anerkannt  

Der Interministerielle Ausschuss für Exportkreditgarantien hat die Trade Bank of Iraq (TBI) als Garant bzw. Darlehensnehmer für Kurzfristgeschäfte generell und für Kreditgeschäfte (Laufzeit bis fünf Jahre), bis zu einem Gesamtobligo von 100 Mio. Euro anerkannt. Mit der getroffenen Entscheidung kann dem gestiegenen Interesse an Deckungen für Irakgeschäfte besser begegnet werden. 

Die TBI wurde 2003 von der damaligen US-Administration im Irak gegründet und befindet sich heute zu 100 Prozent in Staatsbesitz. Die TBI ist einer der größten Kreditgeber staatlicher und staatsnaher Unternehmen. Auch im Bereich der Handelsfinanzierungen fällt der TBI eine zentrale Rolle zu.