AGA-Report Nr. 275

14 Februar 2017

Exporte

Hermesdeckungen: Bundesregierung sichert 2016 Lieferungen und Leistungen von über 20 Mrd. Euro ab 

2016 hat der Bund Lieferungen und Leistungen deutscher Exporteure im Wert von 20,6 Mrd. Euro mit Exportkreditgarantien abgesichert. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen nutzen die Absicherungsinstrumente des Bundes. 80 Prozent der neu in Deckung genommenen Geschäfte betrafen Lieferungen und Leistungen in Schwellen- und Entwicklungsländer. 

Im Ländervergleich steht Russland mit 3,8 Mrd. Euro an der Spitze, gefolgt von Ägypten mit 3,3 Mrd. Euro und den Vereinigten Staaten mit 2,0 Mrd. Euro. 

Für eine Reihe von Ländern hat der Bund 2016 die Deckungsmöglichkeiten deutlich ausgeweitet, vor allem in Subsahara-Afrika. Nach Abschluss des Atomabkommens mit dem Iran sind auch wieder Hermesdeckungen für Lieferungen und Leistungen in den Iran möglich. Die bestehenden Deckungsmöglichkeiten für Russland hat der Bund trotz der weiterhin bestehenden Sanktionen beibehalten.

Länderrisikoeinstufungen in der OECD: Bulgarien und Serbien verbessern sich - Tunesien schlechter bewertet

In ihrer Sitzung am 25. und 26. Januar 2017 haben die Experten der OECD turnusmäßig die Länderrisiken von 40 Staaten der Regionen Europa, GUS, Mittlerer Osten und Nordafrika neu bewertet. Im Vergleich zu den bisherigen Einstufungen haben sich folgende Veränderungen ergeben:

Land Kategorie bisher
Bulgarien 3 4
Serbien 5 6
Tunesien 5 4


Iran verbleibt weiterhin in der Länderrisikokategorie 6.

Die neuen Ländereinstufungen gelten seit dem 3. Februar 2017 und wurden bereits in das deutsche Deckungssystem übernommen. Die Länderklassifizierung ist ein Parameter bei der Berechnung des Entgelts.

Die nächste Sitzung der OECD-Länderrisikoexperten findet am 21. und 22. Juni 2017 statt. Dann geht es um die Regionen Asien sowie Süd- und Ostafrika.

Bolivien: Hermesdeckungen für Geschäfte mit dem öffentlichen Sektor möglich

Auch wenn das Land den Rohstoffpreisverfall deutlich zu spüren bekommen hat, hat sich die wirtschaftliche Entwicklung Boliviens in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Infolgedessen hat der Interministerielle Ausschuss für Exportkreditgarantien entschieden, die Deckungsmöglichkeiten für das Land auszuweiten. Ab sofort können Lieferungen und Leistungen zu Kreditkonditionen sowohl mit dem öffentlichen als auch dem privaten Sektor abgesichert werden. Bis dato bestanden lediglich für kleinere, devisenbringende Geschäfte im privaten Sektor Deckungsmöglichkeiten.

Voraussetzung für die Indeckungnahme eines Kreditgeschäfts mit dem öffentlichen Sektor ist, dass entsprechende Sicherheiten des Finanzministeriums oder der Zentralbank vorliegen. Zudem gilt ein erhöhter Selbstbehalt von 10 Prozent. Eine Absenkung des Selbstbehalts für Lieferantenkreditdeckungen ist nicht möglich.

Über die Indeckungnahme eines Geschäfts zu Kreditbedingungen entscheidet der Interministerielle Ausschuss für Exportkreditgarantien auf Einzelfallbasis.

Investitionen

Investitionsgarantien: Nachfrage nach Absicherung 2016 auf erneut hohem Niveau

Im Bereich der Investitionsgarantien hat der Bund 2016 Deckungen in Höhe von 4,3 Mrd. Euro übernommen. Die 101 positiv entschiedenen Garantieanträge entfielen auf 72 Projekte in 22 Ländern. Ergebnis und Nachfrage haben sich damit erneut positiv entwickelt. Der gesamte Garantiebestand erreichte Ende 2016 mit 36,4 Mrd. einen historischen Höchststand. Wesentliche Anlageländer waren Russland, gefolgt von China, Indien, der Türkei sowie Indonesien. Aber auch Investitionen in seltener nachgefragten Ländern wie Iran, Honduras und Marokko hat der Bund abgesichert. Unverändert haben 2016 auch kleine und mittlere Unternehmen die Investitionsgarantien stark genutzt, darunter viele zum ersten Mal.