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Pressemeldungen 2007
Hermesgedeckte Projekte erhielten Auszeichnung "Deals of the Year 2006"
21.06.2007
Die Leser des britischen Fachmagazins Trade Finance haben Euler Hermes und PwC zur Exportkreditagentur des Jahres 2007 ("Best Export Credit Agency 2007") gewählt. Daneben kürte das Magazin neun mit Hermesdeckungen abgesicherte Projekte zu "Deals of the Year 2006".
- Agentinien: Gaskraftwerk für Aluar
- Aserbaidschan: Schlafhorst liefert Ringspinnerei
- Indien: Rückwärtsintegration bei Stahlproduzent
- Jemen: Ausbau des Mobilfunknetzes
- Kasachstan: Bau einer Anlage zur Produktion von Siliziummetall
- Russland: Umlaufentgasungsanlage
- Sambia: Errichtung einer offenen Kupfermine
- Südafrika: Bau von zwei Kraftwerken
- Vietnam: Brücke über den Saigon
Argentinien: Gaskraftwerk für Aluar
Ein mit Gas befeuertes Kombikraftwerk ist das erste argentinische Projekt seit mehreren Jahren, das mit einer Strukturierten Finanzierung realisiert wird. Ausführendes Unternehmen ist die ALSTOM Power Generation aus Mannheim. Als eines von 35 ausgewählten Geschäften erhielt "Aluar" Anfang 2007 die Auszeichnung "Best Deal of the Year 2006".
In 2006 wurde erstmals seit mehreren Jahren wieder eine Strukturierte Finanzierung für ein argentinisches Projekt gedeckt. Es handelt sich um die Lieferung von Ausrüstungen für den Bau eines mit Gas befeuerten 465 MW-Kombikraftwerkes in Puerto Madryn, ca. 1.400 km südwestlich von Buenos Aires, durch die Firma ALSTOM Power Generation AG, Mannheim. Besteller ist das Unternehmen Aluar Aluminio Argentino S.A.I.C., das aufgrund der vorgesehenen Kapazitätserweiterung seiner Aluminiumhütte zusätzlichen Strom benötigt.
Die Finanzierung des Gesamtprojekts erfolgt einerseits aus eigenen Mitteln der Aluar Aluminio Argentino S.A.I.C., andererseits aus einem kommerziellen Kredit sowie zwei staatlich gedeckten Darlehen, eines davon abgesichert durch die französische Coface. Die Bundesdeckung erstreckt sich auf das Darlehen eines Bankenkonsortiums, hierunter die KfW IPEX-Bank, unter Federführung der Citigroup Global Markets Deutschland AG & Co. KGaA, Frankfurt, das u. a. durch die Abtretung von Zahlungsansprüchen aus Aluminiumverkäufen der bestehenden Produktion besichert ist. Das Kraftwerk wird den Betrieb voraussichtlich Ende 2007 aufnehmen.
Aserbaidschan: Schlafhorst liefert Ringspinnerei an aserbaidschanischen Kunden in Dubai
Die Mönchengladbacher Schlafhorst Zweigniederlassung der Saurer GmbH & Co. KG hat im Auftrag der aserbaidschanischen Intermet LLC eine Ringspinnerei zur Verarbeitung von Baumwolle mit einem Auftragswert von 13 Mio. Euro nach Dubai ausgeliefert. Die Entscheidung, die Spinnerei in Dubai zu bauen, hatte der Kunde primär unter Kostengesichtspunkten gefällt: Steuerliche Vorteile und günstigere Transportwege zum asiatischen Markt bestimmten maßgeblich die Standortwahl.
Dennoch war hinsichtlich der Deckung des Exportgeschäfts auch in Bezug auf das Land Aserbaidschan durchaus Förderungswürdigkeit gegeben. Denn es werden sowohl die gesamten Rohstoffe (12.000 Tonnen Baumwolle pro Jahr) als auch rund ein Drittel der Fachkräfte aus Aserbaidschan kommen. Zudem waren an der Abwicklung des Projektes insgesamt elf kleine und mittelständische Unternehmen beteiligt. Der Bund fördert die Exporttransaktion mit einer kombinierten Ausfuhr- und Finanzkreditgarantie.
Indien: Rückwärtsintegration bei Stahlproduzent
Der indische Stahlproduzent Bhushan Steel Ltd., der bislang am Standort Orissa lediglich zwei Kaltwalzwerke betreibt, führt derzeit eine vollständige Rückwärtsintegration seiner Produktion durch. In den Bau des integrierten Hütten- und Walzwerkkomplexes - bestehend aus Stahlwerk, Stranggießanlage und Warmwalzwerk - sind im Wesentlichen drei deutsche Exporteure eingebunden. Zwecks Unterstützung dieser Exporteure hat der Bund im Zusammenhang mit dem Projekt Deckungen in Höhe von insgesamt rd. 230 Mio. EUR übernommen. In Anlehnung an die Amortisationsdauer derartiger Anlagen wurden langfristige Zahlungsbedingungen vereinbart.
Im Zusammenhang mit dem Gesamtprojekt hat Bhushan Steel Ltd. weitere Ausrüstungsgegenstände von anderen Lieferanten bezogen, so dass letztlich fünf staatliche Exportkreditversicherer in die Finanzierung des Projektes eingebunden sind.
Jemen: Ausbau des Mobilfunknetzes
Eines der ersten ECA-gedeckten Geschäfte, das im Einklang mit den islamischen Regeln der Sharia aufgestellt wurde, hat die Auszeichnung "Best Deal of the Year" bekommen. Es handelt sich um die Kapazitätserweiterung des GSM-Mobilfunknetzes der Yemen Company For Mobile Telephony Ltd, kurz SabaFon, aus dem jemenitischen Sanaa.
Im Jemen ist der Mobilfunkmarkt noch wenig entwickelt, hat jedoch in den letzten Jahren starke Zuwachsraten zu verzeichnen. Das hohe Wachstumspotenzial wird voraussichtlich auch in den nächsten Jahren anhalten, so dass trotz einer Wettbewerbsintensivierung die führende Position von SabaFon gehalten werden kann.
Die ECA-gedeckte Finanzierung ist für das jemenitische Unternehmen die Chance, die Expansion in einem attraktiven Markt fortzusetzen. Die mittelfristige Finanzierung des Projekts wurde in enger Kooperation der Beteiligten aufgestellt. Dazu wurde ein mittelfristiger Finanzkredit auf corporate risk Basis an SabaFon herausgelegt, der pari-passu mit den übrigen Verbindlichkeiten von SabaFon rangiert. In Rücksprache mit islamischen Rechtsgelehrten wurden die Konditionen für den Finanzkredit entsprechend den Vorgaben der Sharia aufgestellt. Das der Finanzierung zu Grunde liegende Dokument ist eine Murabaha ("Facility Agreement"). Die Auszahlungen aus dem Darlehen sind durch Wechsel unterlegt.
So wie die Zinsen und Rückzahlungen des Kredits analog den Sharia-Vorgaben fixiert wurden, musste auch die Vorgehensweise im Schadenfall festgelegt werden: Die Entschädigung erfolgt dann gemäß den ursprünglichen Fälligkeiten, also pro ratarisch.
Damit kann die entwickelte Struktur des Geschäfts ein Vorbild für die Finanzierung von Exportgeschäften im mittleren Osten sein. Der Kredit ist ein entscheidender Meilenstein für die ECA-Unterstützung jemenitischer Kreditnehmer sowie die Strukturierung von Krediten nach Sharia-Regeln.
Kasachstan: Bau einer Anlage zur Produktion von Siliziummetall
Im Auftrag des kasachischen Bestellers TOO Silizium Kazakhstan wurde eine Anlage zur Produktion von Siliziummetall mit einem Auftragswert von 59 Mio. Euro gebaut. Diese Anlage ist Teil eines rund 150 Mio. Euro teuren Gesamtprojekts von vier Schmelzöfen, mit denen nach Fertigstellung der 2. Projektphase im Jahr 2009 rund 50.000 t Siliziummetall pro Jahr aus Quarzsand verarbeitet werden soll.
Schon in der Vergangenheit wurde im Westen Kasachstans Quarzsand abgebaut, dann aber unbearbeitet weiterverkauft. Durch die Errichtung der Anlage erweitert sich die Wertschöpfungskette, was zu einer deutlichen Verbesserung der Wirtschaftsstruktur des Landes führen wird. Kasachstan besitzt nach Brasilien und Madagaskar weltweit die drittgrößten Quarzreserven.
Russland: Umlaufentgasungsanlage
Für den Bau einer Umlaufentgasungsanlage in Starij Oskol beauftragte die russische Firma Oskolskii Elektrometallurgicheskii Kombinat OAO (OEMK) ein deutsches Unternehmen, dass auch die Überwachung der Montage, Inbetriebnahme und Personaltraining vor Ort übernahm. Das integrierte Stahlwerk OEMK zählt zu den modernsten Stahlbetrieben Russlands und gilt - gemessen an der Produktionsmenge - als achtgrößtes Unternehmen der Branche im Land.
Das Projekt mit einem Auftragswert in Höhe von etwas über 12 Mio. EUR wurde durch einen Finanzkredit abgesichert. Außerdem schützten eine Fabrikationsrisikodeckung und eine Ausfuhrdeckung die Lieferungen und Leistungen ab. Nach der Öffnung des russischen Bankensektors waren die Rahmenbedingung für Geld- und Währungstransfers teilweise recht ungünstig, so dass die gefundene Absicherungsstruktur einen besonderen Maßstab gesetzt hat.
Die Auszahlung des Darlehens erfolgte zunächst über ein Special Purpose Account des russischen Bestellers bei einer deutschen Bank und dann sofort auf ein Konto des Exporteurs.
Sambia: Errichtung einer offenen Kupfermine
Die Lumwana Mining Company Ltd., Lusaka /Sambia, plant die Errichtung einer Kupfermine im offenen Tagebau einschl. Verarbeitungsanlage zur Verarbeitung des Kupfererzes zu Kupferkonzentrat in der Nord-West Provinz von Sambia. Aus einer Abbaumenge von 20 Mio. t Kupfererz p. a. sollen zwischen 300.000 und 500.000 t Kupferkonzentrat jährlich gewonnen und an verschiedene Schmelzanlagen innerhalb Sambias verkauft werden. Zahlreiche Vereinbarungen zwischen den vielen Beteiligten kennzeichnen diese komplexe Projektfinanzierung.
Das Projekt liegt im afrikanischen Kupfergürtel, einer noch wenig entwickelten Region mit einem der weltweit größten Kupfervorkommen. Teil des Projektes ist u. a. die Verbesserung der Infrastruktur, zu der auch der Bau eines Dorfes für die Mitarbeiter der Minengesellschaft und deren Familien gehört.
Das gesamte Projektvorhaben wird von diversen multinationalen Finanzierungsinstituten sowie kommerziellen Banken finanziert. Der vom Bund zu deckende Finanzkredit dient der Finanzierung des aus Deutschland kommenden Teils der Ausrüstungsgegenstände für die Mine, dazu gehören Kräne und Teile der Elektrik.
Südafrika: Bau von zwei Kraftwerken
Der Auftrag der südafrikanischen Eskom Holding Limited zur Lieferung von sieben Gasturbinen, Generatoren, Leittechnik und Hilfssystemen im Rahmen der Erstellung von zwei Kraftwerken an den Standorten Mossel Bay und Atlantis wurde mit Hermesdeckungen abgesichert. Die Kraftwerke werden anfangs ölbefeuert sein, wobei die Umstellung auf Gasbefeuerung und der spätere Ausbau zu kombinierten Gas-Dampf-Kraftwerken technisch bereits vorgesehen ist. Die Kraftwerke sollen insbesondere den dringenden Bedarf an zusätzlicher Spitzenkapazität in der Region Western Cape abdecken und auch einen Beitrag dazu leisten, die stark auf Kohle konzentrierte Stromerzeugung zu diversifizieren.
Die Besonderheit dieses Projekts, das über eine isolierte Finanzkreditgarantie abgesichert wird, lag in der Möglichkeit zur Einbindung eines gebundenen Finanzkredits in der Lokalwährung südafrikanischer Rand (ZAR), der über eine Lokalwährungsdeckung zu Kreditbedingungen hermesgedeckt werden sollte. Das Geschäft wurde letztendlich jedoch als EUR-Kredit in Deckung genommen.
Vietnam: Brücke über den Saigon
Eine Brücke über den Saigon-Fluss in Ho-Chi-Minh-Stadt ist Gegenstand dieses ungewöhnlichen Baugeschäfts. Um die zwei Kilometer lange Schrägseilbrücke über den Fluss zu bauen, tritt zum ersten Mal in Vietnam ein privates Unternehmen als Projektentwickler auf. Die Finanzierung des Projekts erfolgt über die Mauteinnahmen. Von Seiten der vietnamesischen Regierung steht als Sicherheit eine Staatsgarantie zur Verfügung, die die Hermesdeckung erst möglich gemacht hat.
Die Absicherung der Bauleistungen und Ausrüstungen erfolgte durch drei Tranchen, die jeweils über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren laufen. Die Verträge / Kontrakte lauteten auf drei unterschiedliche Währungen. Dies war eine besondere Herausforderung für die Absicherung mit Exportkreditgarantien. Die Rückversicherung mit dem australischen Exportkreditversicherer EFIK sowie der französischen Coface erforderten eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung, um das Projekt und die Finanzierung zu realisieren.
Kontakt: Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, Exportkreditgarantien
des Bundes,
René Andrich, Pressesprecher, 040/8834-9159

