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Hintergrundinformationen
Hermesdeckungen für den Flugzeugsektor

  • Risikosteuerung mit Hermesdeckungen bei Flugzeugfinanzierung
  • Flugzeuge als Sicherheiten bei langen Kreditlaufzeiten
  • Internationale Abkommen garantieren Wettbewerbsgleichheit

Der Export von Flugzeugen kann ebenfalls mit einer Hermesdeckung abgesichert werden. Bei Summen, die dreistellige Millionenbeträge erreichen können, kommt dem Schutz vor einem Zahlungsausfall hohe Bedeutung zu. Lange Laufzeiten der Finanzierung bedeuten für die Banken oder den Finanzierer einen weiteren Unsicherheitsfaktor. Grundsätzlich können unterschiedliche Arten von Flugzeuggeschäften eines deutschen Exporteurs gefördert werden, d.h. es kann sich sowohl um komplette Flugzeuge als auch um Einzelteile wie Motoren oder Innenausstattung handeln.

Eckpunkte in der Flugzeugfinanzierung (Airbus Garantie)

Der Export von Flugzeugen erfolgt zumeist als Leasinggeschäft unter Einschaltung einer Bank. Dabei sucht die Fluggesellschaft, die die Flugzeuge kaufen möchte, eine Bank als Finanzierer. Diese beantragt eine Hermesdeckung und erhält damit Schutz vor einem Zahlungsausfall. Die Flugzeuge stellen die Sicherheiten (Asset based Finance) dar, ohne die ein Geschäft in der Regel nicht zustande kommt. Die Absicherung mit einer Hermesdeckung kann für alle Seiten vorteilhaft sein: Banken wird gegen Zahlung einer Prämie das Risiko des Kreditausfalls abgenommen und sie können sich mit einer Exportkreditgarantie am Kapitalmarkt leichter refinanzieren. So werden Arbeitsplätze sowohl bei dem Exporteur als auch bei den zahlreichen Zulieferern gesichert.

Flugzeugfinanzierungen werden in der Regel auf 12 Jahre angelegt. In dieser Zeit erwirtschaften die Flugzeuge durch den Flugbetrieb Zins und Tilgung.

Die Hermesdeckung führt dazu, dass der Exporteur (zumeist Airbus) sofort bei Lieferung den Kaufpreis für das Flugzeug erhält. Hierfür hat der Finanzierer der ausländischen Fluggesellschaft einen Kredit eingeräumt. Während der 12jährigen Kreditlaufzeit bezahlt die Airline in Raten den Kaufpreis und Zinsen an den Finanzierer zurück.

Sollte in dieser Zeit die Fluggesellschaft in Zahlungsschwierigkeiten geraten, kommt die Hermesdeckung zum Zuge. Dann wird versucht, das Geschäft durch Verlängerung der Kredite (Prolongation) zu stabilisieren. Die Kombination von Restrukturierung und ratenweiser Entschädigung des Finanzierers trägt in den meisten Fällen dazu bei, dass das Projekt wenn auch über einen längeren Zeitraum als geplant bestehen bleiben kann. Wenn alle Bemühungen scheitern und es zum endgültigen Schadenfall kommt, müssen die Flugzeuge weiter vermarktet werden, damit kein Schaden für den Bundeshaushalt eintritt bzw. dieser möglichst gering bleibt.

Internationale Rahmenbedingungen

Die Exportkreditversicherer von Deutschland, Großbritannien (ECGD) und Frankreich (COFACE) haben eine enge Zusammenarbeit vereinbart, um gemeinsam die Absicherung von Airbus-Exporten zu übernehmen. Jeder der drei Beteiligten sichert deshalb den jeweils nationalen Produktionsanteil ab.

Gemeinsam haben die drei Exportkreditversicherer ein Absicherungsmodell entwickelt, das die besonderen Rahmenbedingungen der Flugzeugindustrie berücksichtigt und einen 100%-Deckungsschutz ermöglicht.

Innerhalb der OECD und unter Einbeziehung von Brasilien besteht mit dem "Aircraft Sector Understanding" (ASU) eine internationale Vereinbarung für die Mindestbedingungen der Finanzierung von Flugzeuggeschäften durch staatliche Exportkreditversicherer. In intensiven Verhandlungen auf OECD-Ebene wurde im Laufe des Jahres 2010 das Abkommen erneuert und dabei an die veränderten Rahmenbedingungen in der internationalen Luftfahrtbranche angepasst. Das neue ASU trat am 1. Februar 2011 in Kraft. Das bereits bislang risikodifferenzierte Entgelt spiegelt nun durch einen quartalsweise festgelegten Aufschlag die Marktsituation noch präziser wider. Das Abkommen ist eine Sektorenvereinbarung des OECD-Konsensus, der die Regeln für staatliche Exportkredite festschreibt und seit langem als Fundament eines fairen Welthandels gilt.

Exportkreditgarantien (Hermesdeckungen) sind seit 1949 ein wichtiges Instrument der staatlichen Außenwirtschaftsförderung in Deutschland. Der Schutz vor Zahlungsausfällen aus wirtschaftlichen und politischen Gründen gerade bei der Lieferung in schwierige und risikoreiche Märkte ist zentrales Anliegen.

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